Gelbstieliger Muschelseitling

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Moderator: Harry

Hagen Graebner
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Gelbstieliger Muschelseitling

Ungelesener Beitrag von Hagen Graebner » Fr 5. Aug 2011, 21:46

Hallo zuammen,

Ich hätte mal eine Frage: In der Wikipedia wurde der Artikel zum Gelbstieligen Muschelseitling heute um folgenden Text zur Giftigkeit ergänzt:

Der Gelbstielige Muschelseitling ist giftig. Die darin enthaltenen Giftstoffe werden in die körpereigenen Fettzellen eingelagert und kommen bei Gewichtsabnahme zum Tragen. Außerdem wurden krebserregende Substanzen in diesem Pilz gefunden.

Als Quelle wird diese Seite angegeben:

http://www.123pilze.de/DreamHC/Download ... itling.htm

Leider gibt es keine Quelle. Weiß jemand, wo das herkommt ?

Gruß

Hagen

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Re: Gelbstieliger Muschelseitling

Ungelesener Beitrag von Schwammjäger » Fr 5. Aug 2011, 22:11

Hallo Hagen,

mit einer Quellenangabe kann ich dir im Moment leider auch nicht dienen. Im Juli 2010 war ich bei Walter Pätzold im Kurs "Toxikologie und Krankenhausdiagnostik" und da wurde seitens eines Teilnehmers auch die Frage bez. der Giftigkeit von Tapinella panuoides an Walter gerichtet.
Walter hatte damals nur eine Ungenießbarkeit bzw. in größeren Mengen eine leichte Mahen-Darmgiftigkeit betätigt. Von einer weitergehenden Giftwirkung hätte er zwar gehört, hielt sie aber für unbewiesen. Ein Blick in meine Literatur ergab keinen Hinweis.
Alternativ vielleicht der Vorschlag sich an den Fachbeirat Toxikologie und Pilzverwertung der DGfM zu wenden.
http://www.dgfm-ev.de/index.php?id=fachbeiraete

Vielleicht einfach mal bei Harry Andersson anfragen. Der ist eigentlich immer recht gut informieret. Ich könnte mir vorstellen dass er dir weiterhelfen kann.

Beste Grüße aus Worms
Peter

Hagen Graebner
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Re: Gelbstieliger Muschelseitling

Ungelesener Beitrag von Hagen Graebner » Sa 6. Aug 2011, 11:33

Danke - Christoph Hahn ist schon eine verlässliche Quelle. Auf Wikipedia siehst Du als nicht angemeldeter Benutzer die letzte gesichtete, das heißt freigebene Version - die Änderung ist jetzt quasi ein Vorschlag.

Gruß

Hagen

Ich habe Herrn Professor Steglich mal eine freundliche Mail gechrieben.

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Re: Gelbstieliger Muschelseitling

Ungelesener Beitrag von Holger » Mo 8. Aug 2011, 09:05

Guten Morgen,

Mich hat diese Frage mal sehr beschäftigt und ich habe von niemandem eine richtige Auskunft bekommen können. Jder Fachmann, ob Harry Andersoon u.a. anderen genannten hatten davon gehört, aber keiner hatte eine Quellenangabe. Darauf hin habe ich im November 2008 die Frage an Dr. Rene Flammer gerichtet. Er hat mir in mehreren Mails geantwortet und das Thema in seinem Periskop 1-2009, auf Seite 16 zum Thema gemacht. Wer keinen Zugriff auf die Periskope hat, dem kann ich den Artikel gern per Mail schicken, ich weiß nämlich nicht ob ich ihn hier (ohne Urheberverletzung) posten kann.
Hier seine persönliche Antwort an mich:" auch für mich ist Panellus serotinus kein Speisepilz. Ich hatte vor Jahren eine kleine Probe dieses zähen und etwas bitteren Pilzes gebraten, gewürzt und gekostet. Er ist keine Sünde wert.
In der Literatur finden sich keine Hinweise zu einem Toxin. Insofern müssen die Hinweise aus dem Internet als anekdotisch oder hypothetisch betrachtet werden. Laien vermischen oft Kausalität und Koinzidenz. Verliert ein Mykophage einige Pfunde in Zusammenhang mit einer Krebserkrankung sucht man nach einer Erklärung. Reichlicher und häufiger Pilzgenuss eines nicht empfehenswerten Pilzes wird dann natürlich auch als Ursache erwogen, obwohl es an andern naheliegenderen Erklärungsmöglichkeiten nicht mangelt.
Viele Nahrungsmittel - so auch Pilze - enthalten potentiell krebsauslösende Substanzen, die in vitro, d.h. in Zellkulturen nachgewiesen wurden (Lyophyllum connatum, Gyromitra esculenta). Der Organismus verfügt jedoch über mehrere sehr wirksame Mechanismen geschädigte Zellen zu vernichten. Bei der zunehmenden Begehrlichkeit der Patienten und Aggressivität gewisser Juristen muss man natürlich vorsichtig sein und getrocknete Speiselorcheln sowie Weisse Raslinge offiziell in die Negativlisten verschieben, obwohl bis heute noch nie eine Kausalität zwischen Pilzugenuss und Krebs nachgewiesen werden konnte".
Viele Grüße und einen schönen Tag
Holger

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Re: Gelbstieliger Muschelseitling

Ungelesener Beitrag von Mycelio » Mo 22. Aug 2011, 14:53

Hallo nochmal,

@Holger
Vielen Dank für deinen sehr interessanten Beitrag vom 08. August!
Bzgl. der Zucht von Panellus serotinus in Asien werde ich nochmal gründlicher recherchieren. Leider kam ich bisher noch nicht dazu. In diesem Zusammenhang wäre es ja gut, mal zu erfahren, wo und in welchem Umfang das stattfindet.

Gruß, Carsten

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Re: Gelbstieliger Muschelseitling

Ungelesener Beitrag von Mycelio » Di 23. Aug 2011, 19:28

Hallo zusammen,

habe nochmal das Netz bzgl. möglicher Giftigkeit und Zucht in Asien durchforstet.

Gezüchtet wird der Gelbstielige Muschelseitling vor allem in Japan (als Mukitake), wo er dann auch im Supermarkt erhältlich ist, natürlich nicht im gleichen Umfang wie Shiitake, Buchenrasling oder Austernseitling, aber er gilt dort als Delikatesse. Ich gehe mal davon aus, daß da nur Pilzstämme zum Einsatz kommen, die höchstens schwach bitter schmecken und immer jung geerntet werden. In Rezepten ist oft von längerer Kochzeit die Rede. Hier noch ein paar Links mit Zuchtbildern:

http://www.saga-s.co.jp/news/saga.0.114 ... ticle.html
(japanischer Zeitungsbericht über die Zucht in Beuteln)

http://www.pref.saga.lg.jp/web/shigoto/ ... enkyu.html
(japanische Seite mit einer braunhütigen Variante, ebenfalls in Beuteln, 3. Bild)

http://www.kinocoya.jp/kinokoyama_info/mukitake.html
(Fotoserie zur Zucht auf baumstämmen, ebenfalls japanischer Text)

Neue Hinweise zu möglicherweise giftigen Inhaltsstoffen konnte ich selbst nach mehreren Stunden nicht finden, ganz im Gegenteil... Ich stieß stattdessen auf englischsprachige Studien bzgl. leberschützender Stoffe in P. serotinus.

http://www.sciencedirect.com/science/ar ... 6309000321
'Mukitake mushroom (Panellus serotinus) alleviates nonalcoholic fatty liver disease through the suppression of monocyte chemoattractant protein 1 production in db/db mice'
Koji Nagaoa, Nao Inouea, Masashi Inafukua, Bungo Shirouchia, Takanori Morookaa, Saori Nomuraa, Naoki Nagamorib and Teruyoshi Yanagitaa, ,
Department of Applied Biochemistry and Food Science, Saga University, Saga 840-8502, Japan
Forestry Research Institute of Saga Prefecture, Saga 840-0212, Japan
Erschienen in:
The Journal of Nutritional Biochemistry
Volume 21, Issue 5, May 2010, Pages 418-423

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21787451
'Protective effects of fractional extracts from Panellus serotinus on non-alcoholic fatty liver disease in obese, diabetic db/db mice.'
Inafuku M, Nagao K, Nomura S, Shirouchi B, Inoue N, Nagamori N, Nakayama H, Toda T, Yanagita T.
Department of Applied Biochemistry and Food Science, Saga University, Saga 840-8502, Japan.

Hier wurden im Tierversuch entzündungshemmende und leberschützende Stoffe in Panellus serotinus nachgewiesen, welche bei der Behandlung einer nicht alkoholinduzierten Fettleber, also z.B. bei übergewichtigen Diabetikern hilfreich sein dürften.

Grüße, Carsten

PS: Der Vollständigkeit halber nochmal der Link zum alten Thread im Pilzepilze-Forum:
http://www.pilzepilze.de/cgi-bin/webbbs ... read=23589
Zuletzt geändert von Mycelio am Mi 24. Aug 2011, 18:05, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Gelbstieliger Muschelseitling

Ungelesener Beitrag von Holger » Mi 24. Aug 2011, 08:46

Moin Carsten,

vielen Dank für die vielen neuen Infos! Kann ich Deinen Text an Christoph Graner und an Dr. Rene Flammer weiter schicken? Sie haben mich gebeten, wenn es etwas neues gíbt, sie davon zu unterrichten.
Viele Grüße und einen schönen Tag
Holger

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Re: Gelbstieliger Muschelseitling

Ungelesener Beitrag von Mycelio » Mi 24. Aug 2011, 12:57

Hallo Holger,

sicher, das kannst du gern machen.

Gruß, Carsten

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