Phytoparasit an Kastanie?

Spezialforum zum Thema phytoparasitische Kleinpilze ( Rost, Brand, Mehltaupilze etc. ) und tierische Gallen an Wild.- und Nutzpflanzen. Forumsstart - 15.07.2006
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Harry
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Phytoparasit an Kastanie?

Ungelesener Beitrag von Harry » Sa 1. Jul 2006, 09:41

Hallo Pilzfreunde,

in der Kräuterecke habe ich in einem Baumrätsel auch ein Bild vom Blattwerk der Roßkastanie gezeigt. Damals waren die Blätter noch vollkommen gesund.

Heute sehen sie so aus :kick:



das gesamte Blattwerk des Baumes zeigt das gleiche Bild. Ich denke ein gescheite Assimilation ist hier nicht mehr möglich.

@Detlef

was denkst du könnte das für ein Schadpilz sein? Ich habe so etwas in einem solchen Ausmaß noch nie beobachtet. Die kreisrunden Befallstellen laufen ineinander und letztlich stirbt das ganze Blatt ab. Aber nicht nur die Blätter auch die Fruchtstände sind davon betroffen.



Die Samenkapseln werden auch befallen und trocknen letztendlich vollkommen ein. Ich finde den Befall schon ziemlich heftig und mich würde interessieren welcher Phytoparasit dieses Schadbild verursacht. Kannst du mir da helfen?

Natürlich richtet sich die Frage auch an alle andern.

Gruß
Harry

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Dedimyk
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Re: Phytoparasit an Kastanie?

Ungelesener Beitrag von Dedimyk » Sa 1. Jul 2006, 12:16

Hallo Harry,

der Befall der Rosskastanienblätter ist durch keinen Phytoparasiten ausgelöst.
Es handelt sich hier um den Befall durch die Rosskastanien-Miniermotte Cameraria ohridella, den Professor Butin sehr anschaulich im nachfolgenden Bild aus seinem Farbatlas Gehölzkrankheiten ( siehe Literaturnachweis ) beschreibt:



Der 2. Befall an den Samenkapseln scheint wirklich ein Phytoparasit zu sein, den ich aber nicht einordnen kann. In Frage kommen könnte Verticillium spec. die Welke und Triebsterben auslöst und auch noch andrere, die man mikroskopieren müßte.


Herzliche Grüße Detlef

Literaturnachweis:

-Butin, Heinz; Nienhaus, Franz; Böhmer, Bernd; Farbatlas Gehölzkrankheiten Ziersträucher und Parkbäume 288 Seiten Dritte erweiterte Auflage, 520 Farbfotos Eugen Ulmer Verlag Stuttgart 2003
ISBN 3-8001-3874-3

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Harry
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Re: Phytoparasit an Kastanie?

Ungelesener Beitrag von Harry » Sa 1. Jul 2006, 12:27

Hallo Detlef,

danke für deine schnelle Antwort. Daß hier der ganze Baum von dieser Miniermotte befallen ist deutet doch wohl darauf hin das dieser Schädling in diesem Jahr sehr häufig ist.

Wie sieht es in anderen Gebieten aus. Habt ihr diesen verstärkten Befall auch beobachtet?

Gruß
Harry

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Re: Phytoparasit an Kastanie?

Ungelesener Beitrag von Dedimyk » Sa 1. Jul 2006, 12:47

Hallo Harry,

dieser Befall ist nicht selten, ich habe aber den Eindruck, daß er in den letzten Jahren deutlich zugenommen hat.
Ich kenn zwar nicht den Auslöser, vermute aber, daß vielleicht extreme Belastungen, wie z.B. Hitze, schon vorgeschädigte Kastanien anfällig machen ( ist aber eine reine Mutmaßung ).

Ein sehr ähnliches Befallsbild wird übrigens durch eine Pilzinfektion mit dem Namen Guignardia aesculi ausgelöst.

Auf den Blättern gibt es braune, oft gelb umrandete Flecken, mit Einrollen der Blattränder und in den Flecken kleine schwarze rundliche Pilzfruchtkörper , die mit der Lupe gut erkennbar sind, in denen eiförmige Konidien enthalten sind..

Diesen Phytoparasiten suche ich schon lange, aber alle bisherigen Befälle waren leider immer nur durch die Miniermotte ausgelöst.


Herzliche Grüße Detlef

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Re: Phytoparasit an Kastanie?

Ungelesener Beitrag von Gerd » Sa 1. Jul 2006, 13:28

Hallo Harry, Hallo Detlef,

zur Miniermotte kann ich noch etwas beitragen:
Zitat Gerd aus [1]

"Seit einigen Jahren wird der Rosskastanie von einem winzigen, fast unscheinbaren Feind stark zugesetzt. Die Rede ist von der Miniermotte, einer Kleinschmetterlingsart, die erst vor kurzem aus Mazedonien nach Mitteleuropa einwanderte. Ihre Brut, kleine Mottenraupen, richtet großen Schaden bei den Rosskastanien an, indem sie sich in die Blätter der Bäume frisst und dabei Gänge miniert. Da die Miniermotte pro Jahr vier Generationen hervorbringen kann und in unserer Heimat kaum natürliche Feinde hat, breitet sie sich ungehindert weiter aus. Befallene Kastanien verlieren bereits im Sommer sämtliche Blätter. Geschieht das mehrere Jahre hintereinander, kann der Baum dadurch ernsthaft geschädigt werden und im schlimmsten Fall absterben."
Die wirkungsvollste Methode der Miniermottebekämpfung ist derzeit das Verbrennen oder tiefe Eingraben des Laubes im Herbst, wodurch die Puppen absterben und ein Neubefall im nächsten Jahr verhindert werden kann."
Quelle:
UNSER WALD, 1. Ausgabe (Februar/März 2005), Zeitschrift der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW)

Grüße
Gerd

[1] In folgendem Threat wurden nicht nur Pilze, die sich auf die Rosskastanie (Aesculus hippocastanum), Baum des Jahres 2005,
spezialisiert haben, diskutiert:

<http://www.pilzbestimmung.de/forum/inde ... v=&reveal=>

Armin
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Re: Phytoparasit an Kastanie?

Ungelesener Beitrag von Armin » Sa 1. Jul 2006, 15:46

Hallo zusammen,
genau das gleiche Blattmuster habe ich vorgestern mitgebracht und wollte an einem fußballfreien Tag nachschauen was für Sporen ich hier finde. Dies hat sich jetzt erledigt.
Übrigens sah bei mir jeder Baum so aus in einer Reihe von 100m an einer Straße.
Gruß Armin

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Re: Phytoparasit an Kastanie?

Ungelesener Beitrag von kazi » Sa 15. Jul 2006, 16:20

Zur Miniermotte finde ich ganz interessant, dass hauptsächlich die Weißblütige Rosskastanie befallen wird, die rotblühende Rosskastanie wird kaum befallen. Ich konnte dies in Zweibrücken in den letzten Jahren auch schon beobachten, es gibt dort eine Straße, in der beide Rosskastanien wachsen, die rotblütigen waren fast den ganzen Sommer über schön grün, die weißblütigen sahen furchtbar aus.

LG
Katja

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Dedimyk
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Re: Re: Phytoparasit an Kastanie?

Ungelesener Beitrag von Dedimyk » Sa 15. Jul 2006, 17:40

[quote=kazi,15.07.2006, 16:20]
Zur Miniermotte finde ich ganz interessant, dass hauptsächlich die Weißblütige Rosskastanie befallen wird, die rotblühende Rosskastanie wird kaum befallen. Ich konnte dies in Zweibrücken in den letzten Jahren auch schon beobachten, es gibt dort eine Straße, in der beide Rosskastanien wachsen, die rotblütigen waren fast den ganzen Sommer über schön grün, die weißblütigen sahen furchtbar aus.

LG
Katja
[/quote]

Hallo Katja,

das deckt sich absolut mit meinen Beobachtungen und auch Professor Butin hat unter der Abb. 28 in seinem Buch Farbatlas der Gehölzkrankheiten ( siehe Literaturhinweis ) nur die "Weißblühende Rosskastanie" erwähnt.

Ich muß allerdings erklären, daß die Rotblühende Rosskastanie in meinem Erfassungsgebiet eine recht seltene Baumart darstellt und ich bis dato noch keinen Miniermottenbefall darauf gesehen habe.

Herzliche Grüße Detlef

Literaturhinweis:

-Butin, Heinz; Nienhaus, Franz; Böhmer, Bernd; Farbatlas Gehölzkrankheiten Ziersträucher und Parkbäume 288 Seiten Dritte erweiterte Auflage, 520 Farbfotos Eugen Ulmer Verlag Stuttgart 2003
ISBN 3-8001-3874-3

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