Tuberculina auf was denn jetzt genau?

Spezialforum zum Thema phytoparasitische Kleinpilze ( Rost, Brand, Mehltaupilze etc. ) und tierische Gallen an Wild.- und Nutzpflanzen. Forumsstart - 15.07.2006
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Tuberculina auf was denn jetzt genau?

Ungelesener Beitrag von Climbingfreak » Mi 27. Jun 2018, 21:09

Hallo ihr lieben,

wie mein Nickname schon verrät, gehe ich gerne Klettern und das bevorzugt im Elbsandsteingebirge. Bei solchen Touren nehme ich auch immer Belege für die sächsische Pilzkartierung mit. Nicht selten habe ich durch solche Zufallsfunde schon richtig tolle Sachen gehabt.

So wie auch letzten Samstag, als ich im Bielatal MTB 5051,323 unterwegs war. am Wegesrand stand eine Pflanze, die ich aufgrund von fehlendem Blütenstand nicht bestimmen konnte. Dank Botanikgruppe bei FB wurde sie als Senecio nemorensis agg. bestimmt. Sollte so passen, oder doch nicht?
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Nicht schlecht staunte ich als ich mir dann kreisrunde braune Blattflecken auf den ansonsten total rostbefallenen Blättern ansah. Auf allen Blättern, habe ich auf den nicht-verbräunten Stellen ausschließlich eine Coelosporium-Art gefunden.
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Bilder der braunen Blattflecken
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Die verbräunten Stellen waren interessant. Da haben sich auf den Rostpilzsori Sporodochien aus schlanken, pallisadenförmig nebeneinanderstehenden Hyphen gebildet, die jeweils nur eine Konidie abschnürten. Die Konidien waren glatt, kugelig bis leicht ovoid und deren Größe betrug 9-12 µm. Vor kurzem hatte ich eine Anfrage gelesen, wo die Gattung Tubercularia herauskam. Da sich das mikroskopische Bild mit dieser Anfrage gleicht, gehe ich auch hier von einer Tubercularia aus. Die parasitierten Sori waren alle recht flach und wichen auch sonst von der Form her nicht sonderlich von den Uredinien des Coelosporium ab, so dass ich davon ausgehe ich davon aus, dass diese auch von der Tubercularia parasitiert wurden. Die becherförmigen Fragmente auf den verbräunten Stellen lassen allerdings auch den Schluss zu, dass diese eine Puccinia parasitieren können. Allerdings heben sich Aecien von Puccinia bei meinen bisherigen Funden der Gattung der Rand immer deutlicher von der Epidermis ab, bzw. bleiben ansonsten nicht so flach. Bei einem untersuchten Präparat habe ich auch Pseudoperidienzellen gefunden, die durchaus den Schluss zulassen, dass diese Becher wirklich mal von einer Puccinia stammten. Leider geht meine Erfahrung bei Hyperparasiten gegen o, so dass ich euch um eure Meinung bitte.

Mikrobilder:
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Ist die Tubercuaria, wenn es denn überhaupt eine ist, bestimmbar und auf welchem Wirt parasitiert sie? Herzlichen Dank schon mal vorab.

l.g.
Stefan

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Re: Tuberculina auf was denn jetzt genau?

Ungelesener Beitrag von Julia » Mi 27. Jun 2018, 23:46

Lieber Stefan,

danke dass Du Deine Anfrage hier gepostest hast, mit Bildern untermalt. Mein Bauchgefühl hat mich nicht getäuscht, denn es kam mir schon etwas seltsam vor als Du meintest, Du hättest auch sowas Tuberculina mäßiges aber auf Coleosporium gefunden. Ich selber habe nämlich auf Coleosporium noch nie Tuberculina gefunden (was nicht heißt dass der nicht auch darauf vorkimmt), aber dafür regelmäßig Ramularia coleosporii (http://jule.pflanzenbestimmung.de/ramul ... leosporii/).

Nun aber zu Deiner Anfrage. Der Wirt stimmt, es ist das Hain-Greiskraut (Senecio ovatus). Wichtigste Frage wäre damit geklärt um weiter machen zu können.

Danach zu Deinem Rostpilz oder besser gesagt Rostpilze, Du zeigst nämlich zwei. Zum einen hast Du die schwach polsterförmigen orangefarbenen Uredien und scheinbar auch schon ein paar dunkelrote krustige feste Telien von Coleosporium senecionis. Dieser Pilz wechselt mit Kiefer (Pinus), man benötigt den Wirt also in der gröberen Umgebung um auf Senecio den Pilz zu finden. Im sauren Elbsandsteingebirge ist ja aber genug Kiefer vorhanden :)

Und dann zeigt Du noch einen zweiten Rostpilz, zu dem gehören diese großen auffälligen gelblichen bis rötlichen Blattflecken. Dieser Rostpilz bildet normalerweise auf der Blattunterseite in Gruppen angeordnete hellgelbe becherförmige Aezien aus. Sie gehören zu Puccinia dioicae s.l., einem Rostpilz der auf verschiedenen Asteraceae vorkommt und zu diversen Seggen wechselt. Die Aezien kann man ja auch in Ansätzen noch auf Deinen Fotos erkennen. Nur sind sie eben leider "verstopft" durch die Sporodochien von dem Hyperparasiten Tuberculina persicina. Oftmals kommt es bei einem Befall mit diesem Hyperparasiten gar nicht erst zur Ausbildung der Aezien und es wirkt manchmal so, als sitze der Hyperparasit direkt in den Spermogonien.

Was ich übrigen beobachtet habe: Wenn man irgendwo verstopfte Aezien findet, dann sind die umgebenen Pflanzen auch befallen, also auch andere Arten die ebenfalls Aezien ausbilden. Das kann manchmal ganz schön lästig sein wenn man gerne Gesunde für ein Foto hätte.

Danke fürs zeigen.

Liebe Grüße,
Jule

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Re: Tuberculina auf was denn jetzt genau?

Ungelesener Beitrag von Climbingfreak » Do 28. Jun 2018, 08:52

Hallo Julia,

danke für deine erhellende Antwort. Ich hätte eigentlich schon eher auf die Idee kommen können, dass die Tuberculina auf einer Puccinia parasitiert. Manchmal ist man wie vernagelt, erst recht, wenn die "gesunden" Blattteile nur von einem anderen Rost befallen sind.

Beim Coelosporium hast du vollkommen recht. Die wachs-krustigen Telien waren schon zu sehen. :)

l.g.
Stefan

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