Wissenwertes vom Johanniskraut

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Harry
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Wissenwertes vom Johanniskraut

Ungelesener Beitrag von Harry »

Hallo Pflanzenfreunde,

bereits Paracelsus schrieb: " Es ist nicht möglich das eine bessere Arznei für Wunden in allen Ländern gefunden wird." Von der nervenstärkenden Wirkung der Pflanze wusste er damals noch nichts. Diese wurde erst im 18. Jahrhundert entdeckt.

Das Johanniskraut gehört zur Familie der Hypericaceae und wird ca. 1 m hoch . Die aufrechten Stängel sind rötlich überhaucht, die ovalen Blätter durchscheinend punktiert und mit schwarzen Drüsen besetzt. Hält man die Blätter gegen das Licht sind diese Merkmale gut zu erkennen. Das 2. Foto zeigen diese ganz deutlich:

Hypericum perforatum - Johanniskraut, Tüpfel - Hartheu, Sonnenwendkraut, Blutkraut

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Das Johanniskraut, auch als Tüpfelhartheu bekannt, ist in Europa, Asien und Afrika weit verbreitet. In Deutschland ist es überall sehr häufig anzutreffen. Man findet es in lichten Wäldern, an Wald und Wegrändern, an Trockenhängen und Böschungen, auf Wiesen und Brachland.

Historisches

Johanniskraut verdankt seinen Namen dem Umstand, dass die Pflanze um den Johannistag ( 24 Juni ) in voller Blüte steht. Wenn man seine Blüten zerreibt tritt ein blutroter Saft aus, der allerlei Legenden nährte. So soll der austretende rote Saft das Blut Christi symbolisieren. Andere Geschichten erzählen davon das die Pflanze aus dem Blut Johannes des Täufers nach dessen Enthauptung entstanden sei.


Inhaltsstoffe

Andracendervidate ( Farbstoffe ) Hypericin und Pseudohypericin. Ferner finden sich das Acylphlorogluciol Hyperforin, ätherisches Öl, Gerbstoffe, Rutin, Quercitin, Xanthone, Kaffeesäuredervidate, Cholin und Flavone.

Heilpflanze Johanniskraut

auch wenn Paracelus die Wirkung der Pflanze auf das Nervensystem noch nicht kannte so steht heute die Behandlung des erkrankten Nervensystems deutlich im Vordergrund. Eine Kur mit Johanniskrautölkapseln hilft bei milden bis mittelschweren Depressionen sehr gut. Die antidepressive Wirkung wird auf die Beeinflußung von Botenstoffen des Gehirns zurückgeführt. Mehrere Inhaltsstoffe sind hierfür verantwortlich. Johanniskrauttee ist gut geeignet bei Entzündungen von Magen, Leber Galle und Niere. Auch bei Wurmbefall, Bronchitis und Asthma kommt die Pflanze gelegentlich zum Einsatz.

Äußerlich findet die Pflanze bei Sonnenbrand, Muskelschmerzen und als Wundheilmittel Verwendung. Als Wundheilmittel ist H. perforatum einfach toll. Schnittwunden und Hautabschürfungen heilen rasch und ohne Komplikationen ab. Dieser Wirkungsbereich wird hauptsächlich von den Flavonen abgedeckt. Als Pflegemittel bei unreiner, trockener und schuppiger Haut wird Johanniskraut sehr gelobt.

Nebenwirkungen

so wertvoll diese Heilpflanze auch ist, bei innerlicher und äußerlicher Anwendung ist schon einiges zu beachten. Der rote Fabstoff Hypericin ist äußerst fotosensibel, das heißt bei Einnahme von Johanniskrautpräparaten kommt es nicht selten zu einer erhöhten Lichtempfindlichkeit von Haut und Augen. Man sollte nach Möglichkeit die lichtärmeren Jahreszeiten für den Beginn einer Johanniskrautkur wählen. Seltener wurde auch von Magen - Darmbewerden, Müdigkeit und Kopfschmerzen berichtet. Wechselwirkungen können auftreten bei gleichzeitiger Einnahme von Antidepressiva, Immunsuppresiva und Proteasehemmern. Sollten sie ein Medikament zur Hemmung der Blutgerinnung einnehmen, muß vor Einnahme von Johanniskautpräparaten unbedingt ein Arzt befragt werden.

Bei äußerlicher Anwendung des Öles ist ein Aufenthalt in der Sonne zu vermeiden. Starke Sonnenbrände wären die Folge.

Sammeln, Aufbewahren und Zubereitungsarten

gesammelt wird das gesamte blühende Kraut ( Tee ) oder nur die Blüten ( Öl ). Sie sollten sich einen warmer, sonniger Tag aussuchen und die Pflanze am frühen Nachmittag sammeln. Ihr Wirkstoffgehalt ist zu dieser Zeit am höchsten.
Für Teezubereitungen werden Blüten und Blätter von der Pflanze abgestriffen und an einem warmen Ort getrocknet. In Schraubgläsern aufbewahrt sollte die Droge nach ca. einem Jahr aufgebraucht sein.

Tee

1 Teelöffel des getrocknetem Krautes und einem vietel Liter kochendem Wasser übergossen und 5 Minuten ziehen gelassen. Bei auftretenden Beschwerden sollten 2-3 Tassen täglich getrunken werden.

Johanniskrautöl

Zur Herstellung des roten Johanniskrautöls werden ausschließlich die Blüten verwendet. Befüllen sie eine saubere Flasche mit weitem Hals zu 3/4 mit den Blüten und gießen sie mit einem raffinierem Sonnenblumenöl auf. Soviel das die Flasche fast gefüllt ist. Nach ca. 4 Wochen an einem warmen Platz hat sich das Öl schön rot gefärbt und kann abgeseiht werden. Es ist hierbei unerheblich ob die Flasche in der Sonne steht oder nicht. Sie sollten ein zweites mal durch einen Teefilter seihen um Schmutzstoffe aus dem Öl zu entfernen. Das Öl hält mehrere Jahre.

Tipps:

Ich rate von der Verwendung kaltgepresster Öle ab. Die Haltbarkeit solcher Öle ist in der Regel deutlich kürzer als bei raffiniertem Öl. Verdorbenes, ranziges Öl macht ihr Heilmittel unbrauchbar.

Johanniskrautpräparate gegen Depressionen gehören zu den wenigen nicht verschreibungspflichtigen Mitteln, die auch nach der Gesundheitsreform 2004 noch von den Krankenkassen erstattet werden.

Verwechslungen

Johanniskraut kann eventuell mit anderen Arten aus der Familie der Hypericaceae verwechselt werden. Das seltener vorkommende schöne Johanniskraut ist zwar nicht giftig, zeigt aber keinerlei Heilwirkungen.

Abschließend kann ich sagen das mir Johanniskrautöl schon sehr viele gute Dienste erwiesen hat. Er gehört zu den selbsthergestellten Naturheilmitteln die mir nie ausgehen.

viele Grüße
Harry
Thomas Pruß

Re: Wissenwertes vom Johanniskraut

Ungelesener Beitrag von Thomas Pruß »

Moin Harry,
schon sehr umfassend, dein Link im Naturforum hier hin ist mir wohl ?durch de Nees? gegangen.
Grüßlis
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