Ergiebiger Regen und das (Pilz-)Leben erwacht!?

hier kann alles gepostet werden was mit Pilzen zu tun hat. Forumsstart - 22.12.2004

Moderator: Harry

Benutzeravatar
Herriot
Neuling
Beiträge: 9
Registriert: Fr 13. Mär 2020, 13:09
Wohnort: Bingen am Rhein

Ergiebiger Regen und das (Pilz-)Leben erwacht!?

Ungelesener Beitrag von Herriot »

Guten Abend zusammen,
nach zwei Tagen mit ergiebigen Regenfällen erscheinen "meine" Judasohren wie neu geboren - wieder wunderbar zart, saftig, nichts mehr von dem Zustand, den Harry mit Recht als "ziemlich hinüber" bezeichnete. Da ich noch nie die Gelegenheit für eine Langzeitbeobachtung dieser Art direkt vor der Haustür hatte, fehlt mir die Erfahrung, wie das nun weiter geht. Auch Auricularia hat sicher nicht das Geheimnis der ewigen Jugend gelöst, sondern vergeht wie alles Lebendige früher oder später. Daher meine Frage in die Runde: Hat jemand Erfahrung darin, wie der Lebenszyklus diese Pilzes unter natürlichen Umständen, ohne äußeren Einfluß/Eingriff verläuft?
- Wie oft funktioniert der Prozeß der "Revitaliserung" aus absolut trockenem Zustand nach einem ergiebigen Regen?
- Gehen die vorhandenen älteren Fruchtkörper bei diesem Prozeß einfach nur langsam zurück, verlieren zusehends an Substanz oder verfaulen sie irgendwann wie andere Pilze auch?
- Werden sich die jetzt noch kleinen Fruchtkörper auf Foto 200501_3.jpg bei anhaltender Feuchtigkeit stetig zu großen Fruchtkörpern weiterentwickeln, den Bestand als solchen also weiterleben lassen? Könnten sie ggbfls. einen neuen trockenen Hitzesommer "in Trockenstarre" überleben?
- Zusammenfassend: Wird der Bestand sich so lange auf dem absterbenden Ast halten und weiter entwickeln, bis das von der Weißfäule geschwächte Holz ihn nicht mehr am Baum zu halten vermag, er zu Boden fällt und verrottet?
Vorab herzlichen Dank für Erfahrungsberichte, eine gute Nacht und bleibt gesund!
Herriot
200501_1.jpg
200501_1.jpg (236.95 KiB) 774 mal betrachtet
Originalwert Bild aufgenommen am/um:
2020:05:01 12:22:55
Bild aufgenommen am/um:
Fr 1. Mai 2020, 10:22
Brennweite:
3.82 mm
Belichtungszeit:
1/50 Sek
Blendenwert:
f/2
ISO:
125
Weißabgleich:
Manuell
Blitz:
Blitz nicht ausgelöst, Erzwungener Blitzmodus
Kamera-Hersteller:
HTC
Kamera-Modell:
HTC One_M8
Belichtungsmodus:
Automatikprogramm
Belichtungskorrektur:
-3/6 EV
Belichtungsmessung:
Andere
Koordinaten:
N 49 56 12.9949/ E 7 54 46.0004
200501_2.jpg
200501_2.jpg (181.81 KiB) 774 mal betrachtet
Originalwert Bild aufgenommen am/um:
2020:05:01 12:23:56
Bild aufgenommen am/um:
Fr 1. Mai 2020, 10:23
Brennweite:
3.82 mm
Belichtungszeit:
1/50 Sek
Blendenwert:
f/2
ISO:
125
Weißabgleich:
Manuell
Blitz:
Blitz nicht ausgelöst, Erzwungener Blitzmodus
Kamera-Hersteller:
HTC
Kamera-Modell:
HTC One_M8
Belichtungsmodus:
Automatikprogramm
Belichtungskorrektur:
-3/6 EV
Belichtungsmessung:
Andere
Koordinaten:
N 49 56 7.0349/ E 7 55 10.9822
200501_3.jpg
200501_3.jpg (224.56 KiB) 774 mal betrachtet
Originalwert Bild aufgenommen am/um:
2020:05:01 12:24:17
Bild aufgenommen am/um:
Fr 1. Mai 2020, 10:24
Brennweite:
3.82 mm
Belichtungszeit:
1/50 Sek
Blendenwert:
f/2
ISO:
160
Weißabgleich:
Manuell
Blitz:
Blitz nicht ausgelöst, Erzwungener Blitzmodus
Kamera-Hersteller:
HTC
Kamera-Modell:
HTC One_M8
Belichtungsmodus:
Automatikprogramm
Belichtungskorrektur:
-3/6 EV
Belichtungsmessung:
Andere
Koordinaten:
N 49 56 7.0349/ E 7 55 10.9822

Benutzeravatar
Harry
Administrator
Beiträge: 4458
Registriert: Mi 22. Dez 2004, 09:37
Kamera: Nikon D500 +
Olympus Tough TG-6
Pilzverein: Pilzfreunde Saar - Pfalz e.V.
Wohnort: Bexbach - Saarland
Kontaktdaten:

Re: Ergiebiger Regen und das (Pilz-)Leben erwacht!?

Ungelesener Beitrag von Harry »

Hallo Herriot,

die sehen ja wirklich besser aus als die letztlich gezeigten Exemplare. Wie du geschrieben hast hat der Regen die eingetrockneten Fruchtkörper wieder zum Leben erweckt.
Die „ Revitalisierung “ klappt mehrmals und kleine noch junge Exemplare sind auch in der Lage nach reichlich Regen weiter zu wachsen. Und das auch nach einer längeren Trockenperiode. Alte Exemplare hängen schlaff herunter und leben nach dem Eintrocknen auch nicht wieder auf.

viele Grüße nach Bingen
Harry
Dass man immer noch lernen kann ist herrlich, und auch dass man andere dazu braucht.

Benutzeravatar
Herriot
Neuling
Beiträge: 9
Registriert: Fr 13. Mär 2020, 13:09
Wohnort: Bingen am Rhein

Re: Ergiebiger Regen und das (Pilz-)Leben erwacht!?

Ungelesener Beitrag von Herriot »

Lieber Harry,
vielen Dank für Deine Erläuterungen. Im Grunde ist es also bei Judasohren wie im richtigen Leben, die „Revitalisierung“ funktioniert immer wieder, vorausgesetzt, der Fruchtkörper ist noch nicht zu alt und die Jugend wächst nach. Also werde ich mich noch eine ganze Weile an der Kolonie erfreuen können – sehr schön!

Bezug nehmend auf Deine Formulierung „Alte Exemplare hängen schlaff herunter....“ erlaube mir vor dem Hintergrund meines bereits etwas fortgeschritteneren Alters noch eine kleine Anmerkung:
Bei sensiblen Themen wie der „Revitalisierung“ ist eine korrekte Wortwahl ebenso wichtig, wie eine bedachte, feinfühlige Formulierung. Wenn Du bei PILZ-Fruchtkörpern, die das Ende ihrer natürlichen Lebensdauer erreicht haben und vor dem Absterben stehen, lapidar von „alten Exemplaren“ sprichst, die "schlaff herunter hängen", kann ich meiner Frau die Assoziationen nicht mal übel nehmen, die ihr beim Mitlesen kommen, verstehe ihr hämisches Grinsen und kann den albernen Spruch, den sie auf den Lippen hat, schon von ihrem Gesicht ablesen.

Geschickter und weitaus eleganter wäre hier, den Bezug alt-jung komplett zu umgehen und stattdessen - ergänzt durch eine positive Sichtweise - den jeweiligen konditionellen Zustand in den Vordergrund zu stellen, etwa wie folgt:
„Herrschen für Judasohren gute bis optimale Bedingungen, vor allem eine regelmäßige, ausreichende Feuchtigkeitszufuhr, so sind ihre Fruchtkörper entsprechend gut konditioniert und nach dem Austrocknen immer wieder zu einer erstaunlichen „Revitalisierung“ in der Lage, bei der sie praktisch wieder ihren ursprünglichen Zustand annehmen können. Erst wenn das natürliche Lebensende naht, sind die Fruchtkörper nicht mehr in der Lage, sich aufzurichten und gehen den Weg alles Lebendigen.“

Kritikern an dieser Formulierung sei zugestanden, dass eine Darstellung und Interpretation der Zusammenhänge auf diese Art und Weise nur unter Ausnutzung gewisser Spiel-, bzw. Freiräume möglich ist. Jedenfalls werden aber auch keine grundsätzlich falschen Aussagen getroffen und nicht zuletzt bietet diese Herangehensweise eine wunderbare Gelegenheit, aus der Natur zu lernen und sogar mykologische Phänomene positiv in die Paarbeziehung einzubringen :)

In diesem Sinne, lieber Harry. Eine gute Zeit und bleib gesund!
Herriot

Antworten