Lactarius citriolens - ein seltener Milchling über Kalk

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Moderator: Harry

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Harry
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Lactarius citriolens - ein seltener Milchling über Kalk

Ungelesener Beitrag von Harry »

Hallo Pilzfreunde,

ich war am letzten Sonntag in einem Kalkgebiet im benachbarten Rheinland Pfalz unterwegs. Es gab einiges an Pilzen. Massenpilz war Amanita phalloides, der grüne Knollenblätterpilz. Im gesamten Waldgebiet hat die Anzahl der Fruchtkörper wohl die 1000 locker überschritten. Neben vielen Täublinge und Milchlingen hab ich mich über den Fund vom Fransen Milchling besonders gefreut, hab ich ihn doch bestimmt seit mehr als 15 Jahre nicht mehr gesehen.

Funddaten

Funddatum: 25.07.2021
Fundort: Bottenbach/Rheinland Pfalz
Fundgebiet: Tiergartenwald ( vorwiegend Laubmischwald über Kalk - gefunden bei Hainbuche )
MTB: 6811/1
Blattname: Pirmasens Süd

Fotos und Kurzbeschreibung

Lactarius citriolens - Fransen Milchling Pouzar

Der Fransen Milchling ist ein recht großer und auffälliger Pilz der einen Hutdurchmesser von bis zu 20 cm erreichen kann. Der Hutrand ist bei jungen Exemplaren eingerollt und die Hutmitte ist zunächst nur etwas eingedrückt. Bei älteren Exemplaren ist sie trichterförmig vertieft. Der Hut ist in der Mitte glatt und gegen den Rand hin mit mehreren mm hohen zottigen und nicht klebrigen Haaren besetzt. Bisweilen findet sich auf den Hüten bei etwas jüngeren Exemplaren eine Zonierung die an den Wässriggezonten Fransenmilchling erinnern.

Die Lamellen stehen etwas gedrängter und laufen leicht am Stiel herab. Bisweilen sind sie am Stiel etwas gegabelt. Sie sind zunächst blass gelblich, dann blass cremfarben bis blass ocker und zeigen einen deutlichen lachsrosa Reflex.

Lactarius_citriolens.jpg
Lactarius_citriolens.jpg (343.97 KiB) 278 mal betrachtet
Originalwert Bild aufgenommen am/um:
2021:07:25 13:59:25
Bild aufgenommen am/um:
So 25. Jul 2021, 11:59
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2021:07:25 14:00:04
Bild aufgenommen am/um:
So 25. Jul 2021, 12:00
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2021:07:25 14:01:20
Bild aufgenommen am/um:
So 25. Jul 2021, 12:01
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Die Milch fließt recht spärlich, sie ist weiß färbt sich aber an der Luft rasch gelb ein. In der Stielrinde ist das gut zu beobachten. Auf dem Foto sieht man auch die behaarte Stielbasis die mehr oder weniger ausgeprägt sein kann.

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Lactarius_citriolens004.jpg (128.14 KiB) 278 mal betrachtet
Originalwert Bild aufgenommen am/um:
2021:07:25 16:17:49
Bild aufgenommen am/um:
So 25. Jul 2021, 14:17
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Der Stiel ist schon bei jüngeren Fruchtkörpern hohl. Das Foto zeigt ein etwas älteres Exemplar

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Lactarius_citriolens005.jpg (146.51 KiB) 278 mal betrachtet
Originalwert Bild aufgenommen am/um:
2021:07:25 17:11:09
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So 25. Jul 2021, 15:11
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N 49 21.4415 0/ E 7 16.203 0

das Sporenornament besteht aus Graten und isolierten Warzen. Manchmal sind sie durch flache lose Maschen miteinander verbunden. Ein vollständiges Netz ist aber nicht erkennbar. Beim folgenden Foto hab ich mal probiert aus 10 Einzelfotos per Stacking ein etwas schärferes Gesamtbild zu bekommen. Das hat aber leider nicht so geklappt wie ich mir das vorgestellt habe. Ich denke ich muss hierfür 20 und mehr Einzelfotos heran ziehen.

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Lactarius_ citriolens006.jpg (98.79 KiB) 278 mal betrachtet
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Lactarius_citriolens007.jpg (72.05 KiB) 278 mal betrachtet

Zu verwechseln ist der Fransen - Milchling mit dem sehr ähnlichen Wässriggezonten Milchling (Lactarius aquizonatus). Seine Milch färbt sich an der Luft ebenfalls schnell gelb ein. Der Hutrand ist ebenfalls mit zottigen Haaren besetzt, die aber im Gegensatz von jenen des Fransenmilchlings ziemlich klebrig sind. Seine Sporen sind mehr ellipsoid und auch kleiner als bei Lactarius citriolens.

Eine Vereinskollegin hat den Fransenmilchling Anfang dieser Woche ebenfalls im Saarland gefunden. Ich denke es könnte sich dieses Jahr lohnen mal in einem Laubwald über Kalk Ausschau nach diesem doch recht seltenen Milchling zu halten.

Gruß
Harry
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RRR
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Re: Lactarius citriolens - ein seltener Milchling über Kalk

Ungelesener Beitrag von RRR »

Hallo Harry,

ein schöner Fund…

Ich war zwei Tage zuvor in Bottenbach, den schönen Milchling habe ich allerdings nicht entdeckt!
Dafür den Flockenstäubling - Lycoperdon mammiforme, den ich auch noch nicht kannte!
Lycoperdon mammiforme
Lycoperdon mammiforme
56F3A3E0-C0D0-4CB2-BA15-461267070190.jpeg (393.65 KiB) 270 mal betrachtet
Viele Grüße
Roger
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Harry
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Re: Lactarius citriolens - ein seltener Milchling über Kalk

Ungelesener Beitrag von Harry »

Hallo Roger,

den Flockenstäubling hab ich wiederum nicht gesehen. Lactarius citriolens findest du wenn du unten am Wald der Weg rechts am Waldrand entlang nimmst. Nach ca. 500 - 600 m stehen da eine ganze Reihe Hainbuchen. Die Milchlinge müsstest du, wenn sie überhaupt noch da sind, eigentlich schon vom Weg aus sehen. Dort stehen auch jede Menge weitere Milchlinge und Täublinge. Darunter auch die grüne Variante vom Frauentäubling.

Gruß
Harry
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Annerose
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Re: Lactarius citriolens - ein seltener Milchling über Kalk

Ungelesener Beitrag von Annerose »

Hallo Harry,
ein sehr ausführlicher und gelungener Beitrag über Lactarius citriolens - Fransen Milchling, tolle Aufnahmen und mikroskopische Sporenbilder! Ich bin begeistert! Ich habe leider nur ein paar Bilder von Amanita phalloides dem Grünen Knollenblätterpilz den es wirklich recht zahlreich gibt dieses Jahr.
Viele Grüße Annerose
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20210726_154102.jpg (154.39 KiB) 242 mal betrachtet
Originalwert Bild aufgenommen am/um:
2021:07:26 15:41:02
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Mo 26. Jul 2021, 13:41
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Mo 26. Jul 2021, 12:51
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Silvia
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Re: Lactarius citriolens - ein seltener Milchling über Kalk

Ungelesener Beitrag von Silvia »

Hallo Harry,

eine prima Vorstellung. Scheint ja was besonders zu sein. Pilze gibt es in meiner Gegend noch so gut wie keine. :er:

liebe Grüße
Silvia
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Silvia
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Re: Lactarius citriolens - ein seltener Milchling über Kalk

Ungelesener Beitrag von Silvia »

Hallo Annerose,

uhi, den sollte man lieber nicht essen. Bei mir hab ich noch keinen dieser giftigen Kerle gesehen.

liebe Grüße
Silvia
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Harry
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Re: Lactarius citriolens - ein seltener Milchling über Kalk

Ungelesener Beitrag von Harry »

Hallo Silvia,
Silvia hat geschrieben: So 1. Aug 2021, 17:14
Pilze gibt es in meiner Gegend noch so gut wie keine. :er:
Für das Pilzwachstum kommt es immer auf einige Faktoren an. Wo fällt genügend Regen, welche Temperaturen herrschen, wie durchlässig ist der Boden und wie stark weht der Wind. Durch starke Winde können die Böden sehr rasch wieder abtrocknen was natürlich das Pilzwachstum rasch wieder zum erliegen bringt.

In meiner Kante ist es im Moment mit den Pilzen gar nicht so schlecht. Man kann schon einiges finden. Gestern war ich an der Saarschleife und hab da so gut wie nichts gefunden. Die felsigen Böden dort lassen den Regen rasch versickern und der Wind trocknet den Rest an Feuchtigkeit ziemlich schnell ab. Ergebnis - keine oder nur sehr wenige Pilze.

Aber lange Rede kurzer Sinn - das Pilzwachstum ist regional sehr unterschiedlich verteilt. Ich würde mir da noch nicht all zuviele Sorgen machen. Sie kommen bei dir bestimmt auch noch.

Gruß
Harry
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Silvia
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Re: Lactarius citriolens - ein seltener Milchling über Kalk

Ungelesener Beitrag von Silvia »

Danke für deine Erläuterungen Harry. Dass der Wind eine größere Rolle für das Pilzwachstum spielt wusste ich bisher nicht. Dass starke Winde den Boden schnell wieder austrocknet ist schon einleuchtend.

Liebe Grüße
Silvia
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