Missbildungen bei Nebelkappen

Missbildungen und Mutationen an Pilzen können hier vorgestellt werden - Forumsstart 14.03.2009

Moderator: Gerd

Holger

Missbildungen bei Nebelkappen

Ungelesener Beitrag von Holger »

:D Hallo Zusammen,

Andreas O. hat mir diese eindrucksvollen Bilder zur Verfügung gestellt, ich finde es ganz :su: toll das er diesen ersten Schritt gegangen ist. Ich glaube nicht das wir derartge Verwachsungen hier schon hatten, zumindest nicht in dieser Form und in diesem Umfang.
Viel Spaß beim Betrachten, bei dem einen oder anderen Foto kann man seine Phantasie freien Lauf geben.
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N1.jpg (101.07 KiB) 3776 mal betrachtet
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Gerd
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Re: Missbildungen bei Nebelkappen

Ungelesener Beitrag von Gerd »

Hallo Holger,
Holger hat geschrieben: Andreas O. hat mir diese eindrucksvollen Bilder zur Verfügung gestellt, ...
Ich glaube nicht das wir derartge Verwachsungen hier schon hatten, zumindest nicht in dieser Form und in diesem Umfang.
- Zuerst einmal herzlichen Dank (auch an den Autor der Bilder) für's Zeigen dieser Bildungsabweichungen.

- Du irrst dich: Derartige "Verwachsungen" hatten wir schon mehrfach. Allerdings nicht in dieser Masse und auch noch nicht für die Nebelkappe (Clitocybe nebularis).

---> Schau einmal HIER. Du wirst du zwei unterschiedliche Missbildungen, die man auf deinen Bildern unterscheiden kann, auf einem Hut vereinigt finden:

(1) Doppelfruchtkörper ("Stockwerkpilz")
---> Hier werden die Primordien räumlich betrachtet in deutlich unterschiedlichen Ebenen gebildet und zusätzlich erfolgt der Start der Fruchtkörperentwicklungen (Streckungsphase) zeitverzögert. Anders ausgedrückt: Der „obere/ältere“ Fruchtkörper (*) wird durch einen darunter liegenden sich später entwickelnden Fruchtkörper angehoben.
---> Konsequenz: Beide Fruchtkörper sind (wenn sie sich berühren) bereits zu stark entwickelt und verwachsen deshalb nur noch rel. locker. Diese Verwachsung reicht aus, um ein Herabfallen des „älteren“ Fruchtkörpers zu verhindern.)
(*) Und wie in dem zitierten Beispiel gezeigt/von mir nachträglich vermutet, kann der "untere" Fruchtkörper natürlich auch eine "Fruchtkörperanlage" (Primordium) anheben, die sich noch nicht zu eine "Streckungsphase" (Fruchtkörperentwicklung) entschlossen hat.

(2) Prolifikation
- Darunter versteht man bei Hutpilzen eine exzessive, untypische Ausbildung von Hymenophoren, die im Extremfall als "morchelloid" bezeichnet wird.
---> Beispiele dazu wurden z.B. hier gezeigt:

Marone

PFIFFERLING

Rettichhelmling
-------------------

Bei einer Beurteilung nach Bild kann man nicht immer eindeutig beurteilen, ob es sich um einen Doppelfruchtkörper ("Stockwerkpilz") oder eine "schwach ausgeprägte" Prolifikation (=Proliferation [2]) handelt. Man achte auf folgende Merkmale:

- Massiv mit einem darunterliegenden Hut oder Hutrand verwachsene, stiellose kleine "Hütchen" kennzeichnen eine Prolifikation. Sofern diese "Hütchen" nicht am Hutrand des größeren Fruchtkörpers angewachsen sind, zeigt das Hymenophor schräg oder +-senkrecht nach oben. Übrigens sind die "Hütchen" oft recht deutlich miteinander verwachsen und das Hymenophor häufig nicht typisch ausgebildet.

- Bei Doppelfruchtkörpern ("Stockwerkpilzen") sind die kleineren Fruchtkörper in "Hut und Stiel gegliedert" und deutlich schwächer verwachsen.

---> Soweit scheint eine Abgrenzung ja sehr einfach zu sein: Das Problem bei einer Bildbeurteilung allerdings ist, ob man erkennen kann, dass das Hütchen wirklich "stiellos" ist oder der Stiel abgerissen wurde.
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Ok., jetzt versuch ich die gezeigten Bilder zu deuten:

Bild

---> Eine m.E. typische "Prolifikation"

Bild

---> Auch eine m.E. typische "Prolifikation"
------

Und jetzt 3 Bilder, die verm. den gleichen Fruchtkörper aus unterschiedlicher Ansicht zeigen:

Bild

Bild

Bild

---> Auch hier tippe ich (beachte die starke Verwachsung von "scheinbar 3 Hüten" auf "Prolifikation".
------------

Und nochmals zwei Bilder, die m.E. aus unterschiedlicher Sicht den gleichern Fruchtkörper zeigen:

Bild

Bild

---> Eindeutig (beachte den Stiel und die Verwachsung) keine "Prolifikation" sondern ein Doppelfruchtkörper (Stockwerkpilz)

Bild

---> Auch m.E. ganz eindeutig zwei "Stockwerkpilze", die vom unteren Fruchtkörper eine Etage höher befördert wurden.

Literatur:

[1] Michael - Hennig - Kreisel (1983): Bildungsabweichungen an Fruchtkörpern (Teratologie); Handbuch für Pilzfreunde, Band V, S. 26-62; S. 108-124 (Tafel 1-16)

[2] Dörfelt H.; G. Jetschke (2001): Wörterbuch der Mycologie; Spektrum Akademischer Verlag


Liebe Grüße
Gerd

PS.:
Danke, ohne deine Beiträge würde dieses Unterforum vermutlich langsam einschlafen.


Nachtrag:
- Ich versuche es (würde mich vermutlich Stunden kosten) nicht, deine Bilder anzuzeigen.
- Ich mache nur Bestimmungsvorschläge und keine Essensfreigabe.
Holger

Re: Missbildungen bei Nebelkappen

Ungelesener Beitrag von Holger »

Guten Morgen Gerd,

danke für den Link mit dem Beitrag von Rita, :er: sorry der ist mir durch die Lappen gegangen.

Dein Ps. verstehe ich nicht, was meinst mit anzeigen der Bilder? Da steh ich aúf dem Schlauch. Brauchst Du sie separat oder im anderen Format?
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Harry
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Re: Missbildungen bei Nebelkappen

Ungelesener Beitrag von Harry »

Hallo Holger,
Holger hat geschrieben:Guten Morgen Gerd,


Dein Ps. verstehe ich nicht, was meinst mit anzeigen der Bilder? Da steh ich aúf dem Schlauch. Brauchst Du sie separat oder im anderen Format?
Schau mal hier rein, ich denke dann wirst du es verstehen.

viewtopic.php?f=17&p=16637#p16637

Gruß
Harry
Dass man immer noch lernen kann ist herrlich, und auch dass man andere dazu braucht.
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Gerd
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Re: Missbildungen bei Nebelkappen

Ungelesener Beitrag von Gerd »

Gerd hat geschrieben: Mi 25. Nov 2009, 00:25 Bei einer Beurteilung nach Bild kann man nicht immer eindeutig beurteilen, ob es sich um einen Doppelfruchtkörper ("Stockwerkpilz") oder eine "schwach ausgeprägte" Prolifikation (=Proliferation [2]) handelt. Man achte auf folgende Merkmale:

- Massiv mit einem darunterliegenden Hut oder Hutrand verwachsene, stiellose kleine "Hütchen" kennzeichnen eine Prolifikation. Sofern diese "Hütchen" nicht am Hutrand des größeren Fruchtkörpers angewachsen sind, zeigt das Hymenophor schräg oder +-senkrecht nach oben. Übrigens sind die "Hütchen" oft recht deutlich miteinander verwachsen und das Hymenophor häufig nicht typisch ausgebildet.

- Bei Doppelfruchtkörpern ("Stockwerkpilzen") sind die kleineren Fruchtkörper in "Hut und Stiel gegliedert" und deutlich schwächer verwachsen.

---> Soweit scheint eine Abgrenzung ja sehr einfach zu sein: Das Problem bei einer Bildbeurteilung allerdings ist, ob man erkennen kann, dass das Hütchen wirklich "stiellos" ist oder der Stiel abgerissen wurde.
Heute muss ich meine vorgeschlagene Zuordnung "Stockwerkpilz" vs. "Profilikation" korrigieren:

(a) Normal ausgebildete (voneinander isolierte) "Hüte und Lamellen" bewerte ich jetzt als Verwachsung (Pseudofasciation). Und übrigens ist der Hut nurschwach mit dem unteren verwachsen.

(b) Etwas untypische Lamellen mit flachen (fast resupinaten) oder fehlenden Hüten muss man als "Prolifikation" einstufen und insbesondere dann, wenn der Eindruck besteht, dass die Lamellen zu mehreren (nicht voneinander isolierten) Fruchtkörpern gehören. Die "wucherung" ist massiv mit der Unterlage verbunden.

Grüße Gerd
- Ich mache nur Bestimmungsvorschläge und keine Essensfreigabe.
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