Hallo Rita,
Rita hat geschrieben:
Vielleicht kannst Du dazu noch etwas schreiben?
- Ja, doch das wird ein längerer Beitrag
Rita hat geschrieben:
Cortinarius (Telamonia) vernus
Mikroskopische Untersuchung:
Frischmaterial
Sporen vom Abwurfpräparat, gemäß PdS, gemessen inklusive Ornamentation, jedoch ohne Apikulus in KOH 3 %.
Anzahl der gemessenen Sporen: 20
Mittelwerte: Länge: 7,05 Breite: 5,24
Quotient aus Länge und Breite: 1,35
Vm: 101,24 (nach der Formel: Vm= Breite x Breite x Länge x 0,523 (Einhellinger 1987))
Die gemessenen Werte liegen innerhalb der von PdS angegebenen Grenzen und auch der Quotient entspricht den dort angegebenen Werten, wenn er auch am unteren Ende liegt.
Das Volumenmittel ist mit 101,24 niedriger als in PdS (121) angegeben.
- Danke, mit diesen „Sporenangaben“ kann ich etwas anfangen.
---> Doch bevor ich deine Sporen mit den PdS-Angaben vergleiche, fasse ich zuerst einmal zusammen, wie man die Sporenangaben in [PdS] interpretieren sollte:
PdS hat geschrieben:
Sporen breitelliptisch, stark warzig, dunkel ockerfarben;
6,9 - 8,5 x 4,8 - 6µm; Q= 1,3 - 1,5; Vm = 121µm^3
Sporenpulver umberbraun
...
Untersuchter Fund:
Luzern (Ibach), Feld 2166, 450m, in einer Hecke bei Salix caprea und Alnus incarna, 25. April 1995, leg. FK. 2504-95K.
(1) Gemessen wurden die Sporenmaße
eines einzelnen Funds (einer Einzelkollektion).
---> Und dies etwas völlig anderes als die Angabe einer „Mittelwertsbandbreite“ vielen „Einzelfunde“, die man als Sieb/Filter (ich komme darauf noch zurück) nehmen kann, um eine eigene Sporenmessung zu bewerten.
---> Es ist daher eine weit verbreiteter „Irrglaube“, anzunehmen, dass eine andere „zeitlich und räumlich“ getrennt gefundene „Einzelkollektion“ in die in PdS angegeben Sporengrenzen passen sollte/müßte.
(2) Gemessen wurde eine
Einzel-Stichprobe (meist mindestens 20 Sporen, Sporenabwurf), die dann statistisch über eine
t-Verteilung (= Studentsche Verteilung) ausgewertet wird.
---> Bei den Längen-/Breitenangaben handelt es sich um Konfidenz-Grenzen (Vertrauensbereich 95%).
Dies muss wie folgt interpretiert werden: 95% der Sporen dieser und nur dieser gemessenen Einzelkollektion (streng genommen sogar nur dieser Stichprobe) liegen innerhalb der angegebenen Grenzwerte.
---> Und schon taucht wieder das Problem auf, dass eine „Einzelkollektion“ keinen zweifelsfreien Rückschluss auf andere „zeitlich und räumlich„ getrennt aufgesammelten „Kollektionen“ zulässt. Denn dazu müsste ich „statistisch“ bewertbare Daten der „Grundgesamtheit“ (aller bisheriger und zukünftiger Funde) haben, zumindest aber ausreichend große „Strichprobendaten“, die von „zeitlich und räumlich“ getrennt aufgefundenen „Kollektionen“ stammen.
(3) Mit den in [PdS] angegebenen 95%-Populationsgrenzen und Kenntnis der „gemessenen Sporenanzahl, angenommen 20“ kann man durch einfache Berechnungen noch ein paar „statistische“ Zusatzdaten gewinnen. Aber auch die gelten nur für die in PdS gemessene „Einzelkollektion“:
- Die Mittelwerte (hier
7,7 x 5,4µm) liegen exakt in der Mitte der angegebenen „Populationsgrenzen“
- Der „Variationskoeffizient (Vk)“ (hier: Vk(Länge) = 4,96% und Vk(Breite) = 5,3%) deutet an, dass
nur oder weitgehend nur „4-sporige Basidien“ gemessen wurden und es sich um eine „noch unproblematische Sporenverteilung“ handelt..
- Man kann mit einem 95%-Vertrauensniveau damit rechnen, dass der „tatsächliche“ Mittelwert (wenn man alle ausgereiften Sporen dieser „Einzelkollektion“ messen würde) etwa innerhalb folgender gerundeter Sporengrenzen (7,52 - 7,88 x 5,27 - 5,53µm) liegt.
(4) Und jetzt betrachte ich noch die weiteren Angaben in PdS:
- Q = 1,3 – 1,5: Ich bewerte Q auch als gerundete 95%-Populationsgrenzen der gemessenen „Einzelkollektion“, deren Mittelwert wegen der groben Rundung nicht exakt in der Mitte liegen wird.
---> Die Idee, diesen Mittelwert aus dem Längen-/Breiten-Verhältnis einer mittleren Spore (---> Qm = 1,43) zu berechnen, ist nicht exakt. Streng genommen muss man zuerst Q für alle gemessenen Sporen ermittelt und dann daraus den Mittelwert und die Konfidenzgrenzen berechnen. Der Unterschied zwischen beiden Mittelwertsberechnungen wird man aber m.E. wegen der „groben, Rundung auf eine Nachkommastelle meist vernachlässigen können.
Völlig anders sieht es aus (kannst das ja spaßeshalber selbst überprüfen) aus den Min-/Max-Werten der Länge/Breite die Steubreite der Q-Werte ableiten zu wollen. Dies ist völliger Unsinn, da Länge und Breite nicht streng genug miteinander korrelieren.
- Vm = 121µm^3. Hier gilt im Prinzip das gleiche, wie bereits bei Q angesprochen.
---> Aus der „mittleren Spore“ berechnet ist Vm = 117,6µm^3, über V aller Einzesporen berechnet Vm = 121µm^3. Dies ist eine Abweichung von ca. 3%, die man m.E. tolerieren kann.
---> Aber auch hier das gleiche Problem: Von den Daten einer „Einzelkollektion“ kann man nicht zweifelsfrei auf die Daten der Grundgesamtheit (alle Kollektionen“ schließen.
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Tja, ich weiß,
das hört sich nicht so gut an.
- Aber es ist nun einmal Fakt, dass man
„Äpfel mit Birnen“ vergleicht, wenn man die 95%-Populationsgrenzen“ von [PdS] (eine „Einzelkollektion“ !!!!!) als Sieb/Filter für das Ergebnis eines eigenen Fundes benutzt.
- Die Angaben von [PdS] sind deshalb nicht wertlos, sondern ganz im Gegenteil, den „statistisch“ nicht auswertbaren Aussagen von Min-/Max-Werten (weit verbreitet in der Literatur) haushoch überlegen, da man hier einige statistische Parameter (z.B. Standardabweichung, Mittelwerte) von Sporenmerkmalen (Länge, Dicke, Q, V) extrahieren kann., die zwar alle in gewissen Grenzen (aber nicht beliebig) schwanken können.
---> Und mit etwas Gefühl/Erfahrung kann man dann abschätzen, Q- und auch V-Mittelwerte der Sporen werden dabei von Autoren, die sich mit diesem Thema auseinandergesetzt haben, als besonders wichtig angesehen. Aber, ich kann da keine feste %-Abweichung angeben, da jede Art bezüglich der „Bandbreite“ unterschiedlich sein kann.
Kurz und schmerzlos noch eine Abschlussbemerkung:
- Die [PdS]-Angaben solltest du m.E. nur als „groben Hinweis“ betrachten und dabei insbesondere bewerten, ob Q und V wenigstens einigermaßen mit deinem Fund übereinstimmen.
---> Ich bringe in einem Folgebeitrag noch Literaturhinweise, die man als „Filter/Sieb“ benutzen kann.
Liebe Grüße
Gerd
PS.:
- Ich habe meine Literatur quergelesen und bin auch der Meinung, dass du den Fund korrekt als „Rosastieliger Wasserkopf“ bestimmt hast.
- Das einzige Problem (wie so oft) ist: Die Autoren sind sich nicht einig, ob C. (Tel.) vernus oder C. erythrinus) der aktuell gültige Name ist.
---> Mal schauen, evtl. schiebe ich da auch noch unterschiedliche „Einschätzungen“ nach