Liebe Pilzfreunde,
vor vielen Jahren fand ich in Alm mal einen Bovist, der auf einem Stielchen saß. Nie wieder habe ich sowas gesehen, aber immer gehofft derartiges wieder zu entdecken. Dieses Jahr wurde mein Wunsch erfüllt:
Er wuchs am Waldhangrand im Fichtennadelwald, einige Lärchen stehen dort ebenfalls, ganz wenige Laubgehölze, und alles am Fuße der Kalkalpen (Steinernes Meer, Salzburger Land), also mit einem gewissen Kalkgehalt im Untergrund. Gesamthöhe ca. 2 - 2,5 cm, wenn man die Größe der Fichtennadeln auf dem Boden für den Größenvergleich heranzieht, sieht man, dass das Pilzchen ziemlich klein ist. Offensichtlich schon ein älteres Modell, denn es hatte bereits kräftig dunkelbraun ausgesport.
So sehr viele verschiedene Arten von Stielbovisten gibt es wohl nicht, im GERHARDT für Unterwegs sind 2 Arten geführt, bei LAUX ist nur 1 Art geführt; in der Datenbank von fungiworld/pilzbestimmung sind zwar insgesamt 30 Arten gelistet, jedoch nur 3 mit Abbildungen. Also ist die Qual der Auswahl einigermaßen begrenzt. Ich halte dies für den Gewimperten Stielbovist Tulostoma fimbriatum, der in Deutschland mit RL3 klassifiziert ist.
Nach Buchbeschreibung soll die Staubkugel weißlich-grau sein, dafür ist mein Exemplar wohl schon ein bißchen alt und bis zu 1 cm im Durchmesser. Die Mündung der Sporenöffnung soll ausgefranst sein, trifft zu.:
Was nicht 100%ig passt:
a) ist die Größenangabe zum rotbraunen Stiel: dieser soll 3 - 8 cm sein, Basis knollig. Knollig ist die Basis, wenn man genau hinsieht, aber nicht so lang, und auch nicht rotbraun.
b) die Sporenkugel soll stets im unteren Drittel mit Sandresten bedeckt sein, das kann ich hier nicht sehen.
Als Verwechselungssart mit ähnlichen Standorten nennt GERHARDT den Winzigen Bovist Bovista pusilla: außen fein kleiig, jung weißlich und auf Druck gilbend (nicht prüfbar). Mit winzigem Stielchen. Kommt jedoch außerhalb des Waldes vor.
Es gab überhaupt nur dieses eine Exemplar, und ich bin dort fast täglich herumgestapft. Absolut sicher bin ich mit der Bestimmung nicht, aber es fällt mir auch nichts besseres ein. Vielleicht jemand anderem?
Anmerkung: dies ist ein bewußt vorgenommenes Doppelposting, den gleichen Artikel habe ich an anderer Stelle gebracht, aber mir ist die Meinung von bestimmten Pilzkennern einfach sehr wichtig.
Ich bin gespannt auf Eure Meinung und grüße Euch herzlich
Sabine
Stielbovist
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Stielbovist
Liebe Grüße Sabine
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Der Mensch muss sich in die Natur schicken;
aber er will, dass sie sich in ihn schicken soll.
Immanuel Kant (1724 - 1804)
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Re: Stielbovist
Hallo, du denkst wohl Tulostoma (Stielboviste)? Die haben aber einen deutlich abgesetzten dünnen Stiel. Hier ist ein allmählicher Übergang zum Stiel deutlich zu sehen. Das passt eher zu Lycoperdon. Ich finde, man sieht eine deutliche netzartige Struktur auf dem oberen Teil. Schau dir mal Bilder und Beschreibungen von Lycoperdon foetidum an, dort gibt es wie bei L. perlatum diese Struktur nach dem Abfall der Stacheln.
Aber vielleicht gibt es schon andere Meinungen in der Zwischenzeit? Gruß Ursula
Aber vielleicht gibt es schon andere Meinungen in der Zwischenzeit? Gruß Ursula
- Harry
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Re: Stielbovist
Hallo Sabine,
genau wie Ursula glaube ich auch nicht an eine Tulostoma. Diese Gattung hat viel dünnere und auch höhere Stielchen. Schau mal hier, in diesem Beitrag ist T. brumale und T. fimbriatum zu sehen:
viewtopic.php?f=13&t=3462&hilit=Stielbovist
Die Meinung von Ursula, es könnte sich um einen Vertreter aus der Gattung Lycoperdon handeln, trage ich mit. Allerdings kann ich bei dem Alter des Fruchtkörpers der Gattung keine Art zuordnen. Wäre alles reine Spekulation. Vielleicht kann hier ja jemand anders weiterhelfen.
@Ursula
herzlich Willkommen im Forum der Pilzfotopage
Ich wünsche dir viele schöne Stunden in unserer kleinen Gemeinschaft und freu mich schon auf weitere Postings von dir.
Gruß
Harry
genau wie Ursula glaube ich auch nicht an eine Tulostoma. Diese Gattung hat viel dünnere und auch höhere Stielchen. Schau mal hier, in diesem Beitrag ist T. brumale und T. fimbriatum zu sehen:
viewtopic.php?f=13&t=3462&hilit=Stielbovist
Die Meinung von Ursula, es könnte sich um einen Vertreter aus der Gattung Lycoperdon handeln, trage ich mit. Allerdings kann ich bei dem Alter des Fruchtkörpers der Gattung keine Art zuordnen. Wäre alles reine Spekulation. Vielleicht kann hier ja jemand anders weiterhelfen.
@Ursula
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Harry
Dass man immer noch lernen kann ist herrlich, und auch dass man andere dazu braucht.
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Re: Stielbovist
Liebe Ursula und Harry,
herzlichen Dank für die Einschätzung, dass es leider doch kein Stielbovist ist. Echt schade, ich hatte gehofft, etwas so seltenes mal vor die Kamera zu bekommen. Aber ich habe ja auch schon eigene Zweifel angemeldet wegen der Merkmale, die nicht so recht zu passen schienen. Lycoperdon foetidum (Stinkender Stäubling) ist so natürlich in keinem Buch zu finden, da sind immer frische, typische Exemplare zu sehen. Nun, dann gehen die Bilder als Lycoperdon spec. ins Archiv. Und: einen Lycoperdon foetidum in frischer Ausführung habe ich bisher auch noch nicht gesehen, es sei denn, dieser hier wäre einer: Wie ihr am Bildnamen schon seht, habe ich ihm den vorläufigen Namen Brauner Stäubling Lycoperdon umbrinum gegeben. Dieser Pilz wächst auf dem gleichen Gebiet am Berg, nur 150 m weiter, massenhaft, hatte aber keinen besonderen Duft und unterscheidet sich auch vom Habitus von meinem vermeintlichen stielbovistähnlichen Pilz. Allerdings gab es ihn in vielen verschiedenen Größen, die kleinsten waren ca. 2 cm, die größten ca. 4 cm hoch, sie wuchsen stets gesellig in größeren Gruppen. Er ist offensichtlich noch ziemlich frisch, wie die Fraßspuren zeigen, denn innen ist noch alles weiß. Ältere Exempare sind unter der Oberfläche grün, das Sporenpulver oliv-braun. Alles in ca. 1100 m Seehöhe.
Stäublinge gab es überhaupt unglaublich viele, ich habe noch mehr Kandidaten, die ich hier noch zeigen werde.
Herzlichen Dank nochmals für Eure Hilfe und einen schönen Restabend!
Herzliche Grüße Sabine
herzlichen Dank für die Einschätzung, dass es leider doch kein Stielbovist ist. Echt schade, ich hatte gehofft, etwas so seltenes mal vor die Kamera zu bekommen. Aber ich habe ja auch schon eigene Zweifel angemeldet wegen der Merkmale, die nicht so recht zu passen schienen. Lycoperdon foetidum (Stinkender Stäubling) ist so natürlich in keinem Buch zu finden, da sind immer frische, typische Exemplare zu sehen. Nun, dann gehen die Bilder als Lycoperdon spec. ins Archiv. Und: einen Lycoperdon foetidum in frischer Ausführung habe ich bisher auch noch nicht gesehen, es sei denn, dieser hier wäre einer: Wie ihr am Bildnamen schon seht, habe ich ihm den vorläufigen Namen Brauner Stäubling Lycoperdon umbrinum gegeben. Dieser Pilz wächst auf dem gleichen Gebiet am Berg, nur 150 m weiter, massenhaft, hatte aber keinen besonderen Duft und unterscheidet sich auch vom Habitus von meinem vermeintlichen stielbovistähnlichen Pilz. Allerdings gab es ihn in vielen verschiedenen Größen, die kleinsten waren ca. 2 cm, die größten ca. 4 cm hoch, sie wuchsen stets gesellig in größeren Gruppen. Er ist offensichtlich noch ziemlich frisch, wie die Fraßspuren zeigen, denn innen ist noch alles weiß. Ältere Exempare sind unter der Oberfläche grün, das Sporenpulver oliv-braun. Alles in ca. 1100 m Seehöhe.
Stäublinge gab es überhaupt unglaublich viele, ich habe noch mehr Kandidaten, die ich hier noch zeigen werde.
Herzlichen Dank nochmals für Eure Hilfe und einen schönen Restabend!
Herzliche Grüße Sabine
Liebe Grüße Sabine
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Der Mensch muss sich in die Natur schicken;
aber er will, dass sie sich in ihn schicken soll.
Immanuel Kant (1724 - 1804)
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