Hallo Jorge,
JORGE hat geschrieben:
habe zum ersten mal Spitzmorscheln gefunden. Sie wuchsen in einem Garten auf Rindenmulch.
Frage: Gibt es Risiken bei Spitzmorscheln gewachsen auf Rindenmulch?
Hab dazu keine Warnhinweise gefunden, aber bei Rindenmulch gibt es ja gelegentlich giftige Varianten (z.B. Safranschirmling)
Wer kann mir dazu etwas sagen, brauche keine Essensfreigabe hinsichtlich der Bestimmung, es sind Spitzmorscheln.
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Vorab; mit deinem Fund habe ich ein kleines Problem:
---> Ich kenne nur
Spitz-Morchel (Morchella elata = M. conica = M. deliciosa und keine
Spitzmorschel und würde dir empfehlen deine "Schreibweise" durch Nachtragsänderung zu korrigieren.
Aber sei's drum: Ich versuche einmal aus meiner Sicht deine Anfrage zu beantworten:
(1) Massenwachstum der "Spitz-Morchel" auf vorjährig eingebrachtem Rindenmulch kann man häufig beobachten. Doch leider ist im Folgejahr der "Spuk" meist bereits vorbei und es fruktifizieren nur noch wenige Fruchtkörper.
(2) In der mir bekannten Giftpilz-Literatur wird die "Spitz-Morchel" auf Rindenmulch nicht als potentieller Problempilz erwähnt.
---> Na klar; grundsätzlich ist festzuhalten:
(a) Der Genuss überalterter Fruchtkörper (für einen unbedarften Pilzsammler bei derart zähen Fruchtkörpern schwer einschätzbar) kann zu einer Lebensmittelvergiftung führen.
(b) Eine individuelle "Unverträglichkeit" kann man natürlich nie ausschließen.
(c) Und, bei "Erstgenuss" selbst gesammelter "Spitz-Morcheln" kann es natürlich wie bei jeder anderen Pilzart auch zu eingebildeten Pilzvergiftungen (da "kotzt" man die innerhalb von <30 Min. wieder raus) kommen.
(d) Ein weiteres generelles, grundsätzliches Probem ist eine massive Kontamination durch "Pestizite, Herbizite etc.", die evtl. zu Problemen/Unverträglichkeiten führen könnten.
Mein abschließendes Fazit:
- Ich kenne keine Literatur-Hinweise darauf, dass "Spitz-Morcheln" (werden als gute, problemlose Speisepilze gehandelt) auf Mulch anders zu beurteilen sind als von anderen Standorten.
- Und beachte bitte auch, dass ich natürlich keine Essensfreigabe (kenne dein Sammelgut nicht) erteilen kann.
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Und abschließend muss ich deinen Hinweis
"bei Rindenmulch gibt es ja gelegentlich giftige Varianten (z.B. Safranschirmling)" doch auch noch kommentieren und dir widersprechen:
(1) Der Safranschirmling (Macrolepiota rachodes s.str.; neuerdings von VELLINGA in die Gattung Chlorophyllum geschoben) wird auch in der mir bekannten neueren "Giftpilzliteratur" keineswegs als Giftpilz bezeichnet.
(2) Und auch die "Gartenform" (var. bohemica) wird heute eher als "nicht giftig" bezeichnet.
---> Übrig bleiben nach meiner Bewertung nur noch zwei evtl. verwechselbare "giftige Arten":
(a)
Macrolepiota venata (Gift-Riesenschirmling), eine von BON (ein als "Splitter" bekannter Franzose) beschriebene Art, die ich ausreichend oft in der Hand hatte und deren Artrang ich anerkenne.
(b)
Chlorophyllum molybdites, eine Art, die nach meiner Kenntnis vor wenigen Jahren im "Augsburger Raum" nachgewiesen wurde.
(3)
Um das zu betonen:
- Den "Safranschirmling" (im "engeren Sinn" korrekt bestimmt) kann ich nach mir bekannten Literaturhinweisen nicht als "Giftpilz" (*) bezeichnen, bei dem man spezielle Bearbeitungshinweise beachten sollte.
(*) OK, mit individuellen Unverträglichkeiten muss man natürlich rechnen.
---> Aber um auch das zu betonen: Den "Safran-Riesenschirmling" schätze ich im Gegensatz zum "Parasol" eh als minderwertig ein.
Grüße
Gerd