Phragmidium violaceum - der Brombeerrost

Spezialforum zum Thema phytoparasitische Kleinpilze ( Rost, Brand, Mehltaupilze etc. ) und tierische Gallen an Wild.- und Nutzpflanzen. Forumsstart - 15.07.2006
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Harry
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Phragmidium violaceum - der Brombeerrost

Ungelesener Beitrag von Harry »

Hallo Phytoparasitenfreunde,

wieder mal war unser Westirüde " Paul " schuld. Während er zur Zeit mit schnuppern gar nicht mehr nachkommt, schaut sich " Papa" halt nach verdächtig aussehenden Pflanzen um und gerät immer tiefer in der Strudel der wahrlich hochinteresseanten Phytoparasiten.

Ein Brombeerstrauch ( Rubus fructicosus ) zog mit seinen violettlich - rötlich gefleckten Blättern meine Aufmerksamkeit auf sich. Ein Blick durch die Lupe auf Blattober.- und Unterseite und meine Bestimmung stand fest. Natürlich wusste ich nicht ob es einen Brombeerrost auch wirklich gibt, aber diese erste Diagnose tat mir gut. So richtig zufrieden war ich aber erst, als sich durch Internetrecherchen meine, aus der Hüfte geschossene Bestimmung, bestätigte. Hier nun die Vorstellung meines Fundes.

Blatt von Rubus fructicosus mit Befall durch Phragmidium violaceum - Blattoberseite



die Blattunterseite



die Blattunterseite - etwas vergrössert



Phragmidium violaceum vollzieht keinen Wirtswechsel - alle Entwicklungsstadien vollziehen sich also auf der Brombeere. Im Bild sind sowohl die orangenen Aecidien als auch die dunkelbraunen Uredosporenlager zu erkennen. Teleutosporenlager entwickeln sich erst im Winter auf den abgefallenen Blättern. Diese Teleutosporen infizieren dann im Frühjahr den Blattaustrieb der Brombeersträucher.

Der Brombeerrost soll nicht sehr verbreitet sein.

Ich hoffe ich habe das einigermaßen richtig wiedergegeben.

Gruß
Harry

kazi
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Re: Phragmidium violaceum - der Brombeerrost

Ungelesener Beitrag von kazi »

Hallo Harry,

da ist mir glatt eingefallen, dass ich den Brombeerrost vor 1-2 Wochen auch fotografiert habe. Ich hatte den Brombeerrost bis zu Deinem Beitrag jetzt völlig vergessen. :kick:

Meine wuchernden Brombeeren hier überall auf dem Grundstück sind voll davon.
Deine Bilder sind natürlich sehr viel besser als die, die ich am 23. Juli gemacht habe.





LG

Katja

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AK_CCM
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Re: Phragmidium violaceum - der Brombeerrost

Ungelesener Beitrag von AK_CCM »

Hallo Harry,

Danke für die Info! Darauf werde ich morgen bei meiner Sammeltour für den Arbeitskreis achten, vlt werde ich ja fündig. Werden nur die Blätter befallen oder auch andere Teile der Pflanze, wie z.B. Stengel oder Beeren?

Gruß, Andreas

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Dedimyk
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Re: Phragmidium violaceum - der Brombeerrost

Ungelesener Beitrag von Dedimyk »

Hallo Harry,

Nachtrag 14.00Uhr: da noch keiner sich gemeldet hat habe ich den Beitrag editiert und entsprechend vervollständigt, was ich aus Zeitmangel heute morgen nicht konnte:

Dein phytoparasitisches Engagement entwickelt sich prächtig. :freu:

Trotzdem ist bei Rostpilzbestimmung schon etwas umfangreiche Recherche angesagt, vor allem wenn der Dikaryophyt ( Telienwirt) eine Rubus-Art, also Brombeere ist.

Zunächst ist erstmal zu klären, um welche Rubus-Art es sich handelt und dann gibt es auf Rubus immerhin 8 -10 Rostpilzarten ( je nach Abgrenzung ). :giggle:

Habe ich gepennt, ist Rubus fruticosus ich nehme mal agg. an

Da ist es nicht so einfach nach googlen ein Bildabgleich zu machen und dem "Kind einen Namen" zu geben.

Der häufigste auf fast allen Brombeerarten gefundene Rostpilz ist Kuehneola uredinis, der schöne goldgelbe becherförmige Uraecien (= wiederholt gebildete Uredien anstelle von Aezien ) bildet, Uredien dunkel orangegelb und Telien gelblich-weiß bis weiß blattunterseitig und auf Sproß und Blüten bildet.

Der kommt hier aber nicht in Frage, ebenfalls einige der oben genannten Arten, die ich bereits herausgeschlüsselt habe.

Aufgrund der oberseitigen auffälligen roten Blattflecken engt sich der Befall auf nur noch 3 Rostpilzarten ein :idee: und zwar auf Phragmidium candicantium , Phragmidium bulbosum und eben die von Dir genannte Phragmidium violaceum .

Phragmidium candicantium ist spezialisiert auf Rubus grabowskii und scheidet m.E. aus , da Du eine vermutlich andere Rubus-Art gefunden hast.

Scheidet aus durch Wirt Rubus fruticosus

Die beiden anderen Arten kommen beide in Frage und müssen unbedingt mikroskopiert werden.

Aber erstmal muß klar die Brombeere bestimmt werden. Erledigt siehe oben.

Danach kannst Du erst Mikroskopieren.

Ich habe gerade keine Zeit mehr, werde mich aber im Laufe des Tages nochmal dazu melden und Dir die letzten Schlüssel und sonstigen Angaben zum Mikroskopieren nennen.

Versuch inzwischen die Brombeer-Art zu bestimmen, dann sehen wir weiter. Erledigt ist Rubus fruticosus agg.

So jetzt geht es weiter:

Hier die Schlüsselung

6 Caeoma fehlend.... an Rubus grabowskii ist Phragmidium candicantium

6* Caeoma ( Aezium ohne Pseudoperidie ) orangefarben, mit Paraphysen II Uredien Wand dünner oder dicker, Keimporen meist undeutlich, III Telien meist 4 - 6 zellig. weiter nach 7

7 I und II Wand je 1 - 2 µm dick, warzig ( Abstand knapp 2 µm ). III meist 5 - 6 zellig mit pfriemlicher Spitze- Kein Ww. 0, I, II, III.
An R. caesius, R. corylifolius agg.. R. fruticosus agg., nemorosus, R. plicatus ist Phragmidium bulbosum ( Str. ) Schlechtendal

7* I und II Wand je 3 - 5µm dick, stachelig ( Abstand 3 - 5 µm ).III meist 3 - 4zellig mit stumpfer Papille - Kein Ww. 0, I, II, III.
An R. fruticosus agg., R. bifrons, R. villicaulis und R. spec. ist Phragmidium violaceum ( Schultz ) Winter.

Hier noch ein Bild von Phragmidium violaceum mit reifen III Telien :



So jetzt ran ans Mikroskop.


Gruß Detlef

Literaturhinweis:

-Klenke, Friedemann: Berichte der Arbeitsgemeinschaft sächsicher Botaniker. Sammel- und Bestimmungshilfen für phytoparasitische Kleinpilze Sachsens
Verlag: Berichte der Arbeitsgemeinschaft sächsischer Botaniker Neue Folge Band 16 - Sonderheft Institut für Botanik der Tech. Universität Dresden
ISSN: 1434-1662

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