Missbildete Fruchtkörper

Missbildungen und Mutationen an Pilzen können hier vorgestellt werden - Forumsstart 14.03.2009

Moderator: Gerd

chris77
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Missbildete Fruchtkörper

Ungelesener Beitrag von chris77 »

Hallo Forum, hallo Gerd,

ich habe um einen alten Apfelbaum herum diese Schildrötlinge gefunden, und denke das es sich da um eine prolifikation handelt.

Kannst du das bestätigen?

Grüße, Chris
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Gerd
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Re: Missbildete Fruchtkörper

Ungelesener Beitrag von Gerd »

chris77 hat geschrieben: Fr 10. Mai 2019, 22:35 Hallo Forum, hallo Gerd,

ich habe um einen alten Apfelbaum herum diese Schildrötlinge gefunden, und denke das es sich da um eine prolifikation handelt.

Kannst du das bestätigen?

Grüße, Chris
Hallo Chris,

herzlichen Dank, dass du uns diese "Missbildung" zeigst.

- Ja, es gibt nach meiner Literatur nur zwei Schubaden, wo man die einordnen kann:

(a) Morchelloide Prolifikation, im Anfangsstadium.

- Und genau das favorisiere ich, auch wenn ich da [1], der eine derartige "Missbildung" immer in der Hutmitte beginnend beschreibt, nicht folge:

Denn [1] stellt fest: „ Bei den morchelloiden Formen kleidet das abnorme Hymenium mannigfach gewundene Gänge, Alveolen, Leisten oder Gruben aus, die den ganzen Hut bedecken oder, wenn sie auf einzelne Partien der Hutoberfläche beschränkt bleiben, nicht durch besondere dem Hutfleisch gleiche Gewebepartien begrenzt und umgrenzt sind, niemals in becher- oder schüsselförmigen ungestielten oder gestielten Bildungen auftreten.“ Unterschieden werden 3 Grundtypen:

Typus 1:
- Die gesamte Hutoberfläche ist mit morchelloiden Bildungen bedeckt. Der Hut wird nach unten gebogen, nimmt eine kugelförmige Gestalt an und sein Rand berührt den Stiel.
Typus 2:
- Die Hutoberfläche mit Ausnahme des Hutrands ist mit morchelloiden Bildungen bedeckt. Der Hut wird glockenförmig verbogen.
Typus 3:
- Die morchelloide Hymeniumbildung beschränkt sich nur auf kleinere Partien der Hutoberfläche. Eine kugel-/glockenförmige Verformung des Huts findet nicht statt.

Mein Fazit ist etwas anders:
1. [1] postuliert an Hand weniger Beispiele, dass eine "morchelloide Prolifikation" immer an der Hutscheibe startet.

2. Und ich bewerte seine (immerhin ist er "Pilz-Teratologie-Papst" des letzten Jahrhunderts) als eindeutig zu kurz gefasst.
- Denn eine morchelloide Prolifikation, Beispiele zeigten mir mehrfach hier im "Gruselforum" , kann eindeutig auch an der Hutunterseite beginnen.
---> Besonders überzeugend hat das "Winterlibelle" hier gezeigt. und wenn man weitere gezeigte Beispiele anschaut, dann kann man auch da erkennen, dass dieser Missbildungstyp keineswegs nur in der Hutmitte startet.
--------------------
(b) Abweichende Hymenophore.

- Diese Schublade wäre evtl. auch möglich. Doch ich halte sie für eher unwahrscheinlich.
---> Schaut einfach einmal Hier

Literatur:

[1] Ulbrich, E (1926): Morchelloide und tremelloide Formen von Agaricaceen; Notizbl. des Königl. Bot. Gartens und , BD.9: 998 - 1026

Grüße Gerd

PS.: Wenn dein Fund leicht erreichbar ist,, würde mich sehr interessieren, wie er sich weiterentwickelt. Denn dann könnten wir an einem weiteren Beispiel zeigen, dass [1] die "morchelloide Prolifikation" definitiv zu eng beschreibt.
- Ich mache nur Bestimmungsvorschläge und keine Essensfreigabe.
chris77
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Re: Missbildete Fruchtkörper

Ungelesener Beitrag von chris77 »

Hallo Gerd,

danke für deine Meinung, die Ursache dafür ist ja wie ich aus einem älteren Posting von dir Erfahren habe, vielfältig und wird wohl so über die Bilder nicht ermittelbar sein.

Weiter konnte ich die Fruchtkörper leider nicht beobachten.

LG Chris

P.S.
Ich bin z.Z. beruflich sehr eingespannt und komme erst jetzt zum Antworten, eine Erinnerung ist unnötig, da ich meiner Pflicht zu Antworten eigentlich immer nachkomme, nur manchmal dauert es bei mir halt ein paar Tage!
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Re: Missbildete Fruchtkörper

Ungelesener Beitrag von Gerd »

chris77 hat geschrieben: Fr 17. Mai 2019, 11:51 Hallo Gerd,

danke für deine Meinung, die Ursache dafür ist ja wie ich aus einem älteren Posting von dir Erfahren habe, vielfältig und wird wohl so über die Bilder nicht ermittelbar sein.

Weiter konnte ich die Fruchtkörper leider nicht beobachten.

LG Chris

P.S.
Ich bin z.Z. beruflich sehr eingespannt und komme erst jetzt zum Antworten, eine Erinnerung ist unnötig, da ich meiner Pflicht zu Antworten eigentlich immer nachkomme, nur manchmal dauert es bei mir halt ein paar Tage!
Hallo Chris,

Hmm, da hatte ich doch glatt vergessen, etwas über die Ursache dieser "Morchelloiden Missbildung zu schreiben :tdown:

- Das hole ich jetzt nach:


[/b]Über die Ursache einer „morchelloiden“ Hymenophor-Wucherung herrscht Unklarheit:[/b]

[1] diskutiert folgende Ursachen:

(1) Gendefekt (Mutation) durch „Virenbefall(!?)
- Dieser Ursache liegt nahe, da im Labor bei bestimmten Myzelien oder Kulturstämmen jahrelang eine „Prolifikation“ beobachtet wurde. Das bedeutet, dass das Myzel geschädigt ist und nicht nur einzelne Fruchtkörper.

(2) Witterungseinflüsse
- Z.B. plötzlich einsetzende Regenfälle im Spätherbst, die eine randliche Wiederbelebung des Wachstums bereits vorhandener Fruchtkörper auslösen.

- Bleibt nur noch nachzutragen: In freier Natur wurden morchelloide Missbildungen überwiegend nur an Einzelfruchtkörpern innerhalb einer Gruppe normal gewachsener Fruchtkörper beobachtet. Vergleiche Anmerkung zu (1)


----------------------------------------------------

(3) Lichtmangel(kann man bei deinem Fund ausschließen, da hier eine Wachstum in völliger Dunkelheit gemeint ist!)
Ich zitiere [2]: „Bemerkenswert ist nun aber, dass auch Formen, die von den vorstehend beschriebenen morchelloiden Formen nicht zu unterscheiden sind bei einer Agaricacee unter ähnlichen Wachstumsbedingungen beobachtet wurden. Bisher liegen nur über eine Art, Tricholoma conglobatum Vitt., Beobachtungen morchelloider Formen vor.“

Grüße Gerd

Literatur:
[1] (ID-05008): Michael - Hennig - Kreisel (1983): Handbuch für Pilzfreunde, Band V, S26:62
[2] Ulbrich, E (1926): Morchelloide und tremelloide Formen von Agaricaceen; Notizbl. des Königl. Bot. Gartens und , BD.9: 998 - 1026
- Ich mache nur Bestimmungsvorschläge und keine Essensfreigabe.
chris77
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Re: Missbildete Fruchtkörper

Ungelesener Beitrag von chris77 »

Hallo Gerd,

sehr interessant, dasss das ganze Mycel betroffen sein kann, bei meinem Fund waren ja auch sehr viele Fruchtkörper missbildet, da bin ich schon auf nächstes Jahr gespannt ob das dort wieder auftritt.

Besten Dank, Chris
chris77
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Re: Missbildete Fruchtkörper

Ungelesener Beitrag von chris77 »

Hallo,

in diesem Jahr gab es keine missbildeten Fruchtkörper, einen Gendefekt kann man somit bei diesem Mycel ausschließen.

LG, Chris
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Gerd
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Re: Missbildete Fruchtkörper

Ungelesener Beitrag von Gerd »

chris77 hat geschrieben: Sa 9. Mai 2020, 00:35 Hallo,

in diesem Jahr gab es keine missbildeten Fruchtkörper, einen Gendefekt kann man somit bei diesem Mycel ausschließen.

LG, Chris
Hallo Chris,

herzlichen Dank für diese Information. :freu
- Ich stimme zu, dass das Myzel nicht geschädigt ist, da sonst die Fruchtkörper dieses Jahr auch geschädigt sein müssten.
- Die Ursache für die Missbildungen im letzten Jahr kann ich leider nicht beurteilen.

Grüße Gerd
- Ich mache nur Bestimmungsvorschläge und keine Essensfreigabe.
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