Clavulina cristata

Missbildungen und Mutationen an Pilzen können hier vorgestellt werden - Forumsstart 14.03.2009
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Julia
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Clavulina cristata

Ungelesener Beitrag von Julia »

Hi!

Diese sehr seltsam deformierte und auch aufgeblasene Clavulina cristata (Kammförmige Koralle) habe ich im Herbst 2007 in einem reinen Buchenwald in Schleswig-Holstein gefunden.
In welche Kategorie gehört mein Defekt?

lg Jule
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Gerd
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Re: Clavulina cristata

Ungelesener Beitrag von Gerd »

Hallo Julia,
Julia hat geschrieben: Diese sehr seltsam deformierte und auch aufgeblasene Clavulina cristata (Kammförmige Koralle) habe ich im Herbst 2007 in einem reinen Buchenwald in Schleswig-Holstein gefunden.
In welche Kategorie gehört mein Defekt?
Danke für diese Abbildung.

- Wenn es denn eine deformierte Clavulina coralloides = C. cristata sein sollte, dann ist der Grund für diese "Deformierung/Missbildung" schnell erklärt:

---> Ältere Exemplare von C. coralloides (und auch C. cinerea = Graue Koralle) werden gelegentlich von dem Ascomyceten Helminthosphaeria clavariarum (Tulasne) Fuckel 1869 bzw. seiner imperfekten Form Spadicioides clavararium (Desmazières) Hughes 1958 parasitiert.
---> Befallenen Fruchtkörpern von "C. coralloides" fehlen dann die für diese Art typischen "kammförmig oder gewimperte" Astspitzen und werden längsrunzelig/längsrillig.
--------------

- Und dann hat man ein größeres, meist (im Feld) nicht eindeutig zu klärendes Bestimmungsproblem. Ist es nun:

(a) C. coralloides = Kammförmige Koralle, (b) C. cinerea = Graue Koralle, (c) C. rugosa = Runzelige Koralle???

---> OK, mit dem "scharfen Auge" (Mikroskop) kann man wenigsten "C. rugosa" (hat etwas größere Sporen; (9)-10-12(-14)µm) von den beiden anderen Arten (Sporen (7)-8-10(-11)µm) trennen.

---> Die drei genannten Arten haben übrigens +- gleiche ökologische Standortansprüche und können gleichzeitig am selben Standort auftauchen.
--------------

So nebenbei:

[1] weist darauf hin, dass einige Autoren C. cinerea auf Artrang als konspezifisch mit C. coralloides bewerten. Ein weiteres Problem ist, dass am gleichen Standort schwer zuordenbare Zwischenformen auftauchen können.

[2] vermerkt, dass bei "C. cinerea" eine Bestimmung im Feld immer etwas problematisch ist und verweist dabei auf "parasitisch" befallene "C. coralloides", die dann einer "C. cinerea" täuschend ähneln. Und bei "C. coralloides" verweist [2] zusätzlich noch auf Verwechslungsmöglichkeiten mit "C. rugosa", die aber an Hand der Sporengröße abgetrennt werden kann.

---> Schlecht wird mir, wenn [1] und [2] darauf hinweisen, dass in der Literatur einige Var. (bei C. coralloides 10!!!) beschrieben wurden.

---> Ich (obwohl "Lumper") glaube schon, dass es 3 gute Arten gibt, die auch im Ulmer Raum vorkommen. Aber, ich mach's mir leicht und ignoriere einfach "Zwischenform"-Fruchtkörper (gibt es leider nach meiner Beobachtung häufig), die man nicht eindeutig zuordnen kann. Und da bin ich in guter Gesellschaft, wenn ich mich an Exskursionen mit G. Krieglsteiner oder E. Garnweidner erinnere.

Liebe Grüße
Gerd

Literatur:

[1] KRIEGLSTEINER: BW-Atlas Band 2

[2] BREITENBACH, KRÄNZLIN: Pilze der Schweiz Band 2
- Ich mache nur Bestimmungsvorschläge und keine Essensfreigabe.
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