Hallo,
diese kleinen roten Gallen habe ich am 16.07.2011 in D, Bayern, Oberbayern, Ldkr. Berchtesgadener Land, Schönau am Königssee, NP Berchtesgaden Göllstock, Aufstieg Hohes Brett vom Carl von Stahl Haus, Almwiese; MTB: 8444/1/2, Höhe NN: 1850 auf den Blättern der Silberwurz (Dryas octopetala) fotografieren können.
Meine Internetrecherche hat leider keine Früchte getragen, sodass ich leider nicht mal eine Vermutung anstellen kann.
Wer kann mir hier bei der Bestimmung helfen?
Liebe Grüße Jule
Unbekannte Galle an Silberwurz (tierisch)
- Volker
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Re: Unbekannte Galle an Silberwurz (tierisch)
Hi Jule
Leider kann ich dir bei diesem Befallsbild auch nicht weiterhelfen. Ein Galle an Silberwurz ist mir auch nicht bekannt, aber aufgrund des Erscheinungsbildes würde ich eher auf eine Pilzerkrankung tippen. Sieht ja eher wie eine Kräuselkrankheit aus, oder? Mal sehen, vielleicht meldet sich ja Prof. Butin noch, vielleicht er oder seine Frau eine Idee?
Ciao Volker
Leider kann ich dir bei diesem Befallsbild auch nicht weiterhelfen. Ein Galle an Silberwurz ist mir auch nicht bekannt, aber aufgrund des Erscheinungsbildes würde ich eher auf eine Pilzerkrankung tippen. Sieht ja eher wie eine Kräuselkrankheit aus, oder? Mal sehen, vielleicht meldet sich ja Prof. Butin noch, vielleicht er oder seine Frau eine Idee?
Ciao Volker
- Volker
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Re: Unbekannte Galle an Silberwurz (tierisch)
Hallo Jule
folgendes fand ich im Internet.
Dryas octopetala L.
Helminthocecidium.
Der Entdecker dieses Oecidiums, Prof. Fr. Thomas, schreibt über dasselbe:
„In den Dolomiten Tirols lernte ich im Sommer 1878 zwei neue Parasiten von Dryas octopetala kennen. Beide erzeugen Cecidien, von denen das eine der Pflanze ein höchst
auffälliges Aussehen verleiht (Synchytrium Myosotidis Kuehn
var. Dryadis m), und das andere einen neuen Typus von Helminthocecidien repräsentirt. Das durch Anguillula erzeugte Cecidium der Blätter von Dryas besteht nämlich nicht
in einer knötchenähnlichen Verdickung, wie solche z. B. von Achillea erst kürzlich(durch C. Müller) Erwähnung fand, und wie sie ähnlichvom Edelweiss (durch Frauenfeld, ?. C. Braun) bekannt
ist; auch nicht in einem einseitig hervortretenden Höcker wie bei Festuca ovina und Agrostis canina (Magnus). Es trägt vielmehr in seiner äusseren Erscheinung ganz und
gar den Charakter eines Phytoptocecidiums, desjenigen der Blätter von Teucrium Chamaedrys. Wie dieses besteht es entweder in einer Ausstülpung der Blattspreite,
welche bei Dryas die Blattoberseite circa 1 mm überragt und bei ungefähr gleicher Breite an ihrer Basis keine Einschnürung zeigt, oder in einer Umschlagung bis
Umrollung des Blattrandes nach unten. Ausserdem pflegen sich diese Cecidien an beiden Pflanzen bald mehr, bald weniger durch gelblichgrüne oder rötliche Farbe und in
Folge der Hypertrophie durch etwas größere Dicke und Festigkeit, sowie durch vermehrte Behaarung auf der Blattoberseite kenntlich zu machen.
Bei solchen Merkmalen sollte man glauben, auch an Dryas eine Galle aus Lacaze-Duthier's Gruppe , Galles internes fausses" vor sich zu haben, nämlich nur eine Blattausstülpung,
deren Cavitaet dem Cecidozoon zur Wohnung dient. In der Tat leben aber die Tiere dieser Dryas- Cecidien im Innern des Gewebes und die von ihnen erzeugte Deformation
könnte als eine Combination einer wahren internen Galle mit der äusseren Gestalt einer falschen internen Galle bezeichnet werden. Das Blattgewebe ist verdickt, zuweilen
bis auf's Doppelte des normalen Maßes. Das der Unterseite anliegende Schwammparenchym ist durch Vergrösserung seiner Intercellularräume stark aufgelockert.
Dazu kommt noch, dass sich zuweilen die unterseitige Epidermis loslöst und dann einen grossen Hohlraum überspannt, der ebenfalls wie jene Zwischenräume den Anguillulen
zum Aufenthalt dient. Auf solchen Teilen der unterseitigen Epidermis unterbleibt die Bildung der Filzhaare in der Regel gänzlich, während sie sonst durch das Cecidium
nicht beeinträchtigt zu sein pflegt, ja selbst vermehrt erscheint. Freie Anguillulen beobachtete ich nur in wenigen Exemplaren, aber ausserdem sehr zahlreiche Eier von
länglich runder Gestalt 0,89 bis 0,104 mm an Länge und 0,047 mm Breite. In vielen derselben sah man die Bewegungen des Embryo, der die 2 bis 4fache Eilänge zu besitzen
schien und deshalb in einigen Windungen lag, die verwelkten vorjährigen Blätter zeigten die Cecidien noch ganz deutlich; doch enthielten diese kein lebens- fähiges
Cecidozoon mehr. Über Vorhandensein, Lage und Gestalt eines Galleneinganges habe ich leider keine Beobachtung notiert und bin nicht im Stande, an dem getrockneten
Material ein sicheres Urtheil zu gewinnen. Der Haarfilz der Blattunterseite erschwert die Untersuchung sehr. Doch habe ich kleine Lücken in der unterseitigen Epidermis
gesehen und halte es für möglich, dass dieselben die Eingänge gewesen sind.
Ciao Volker
folgendes fand ich im Internet.
Dryas octopetala L.
Helminthocecidium.
Der Entdecker dieses Oecidiums, Prof. Fr. Thomas, schreibt über dasselbe:
„In den Dolomiten Tirols lernte ich im Sommer 1878 zwei neue Parasiten von Dryas octopetala kennen. Beide erzeugen Cecidien, von denen das eine der Pflanze ein höchst
auffälliges Aussehen verleiht (Synchytrium Myosotidis Kuehn
var. Dryadis m), und das andere einen neuen Typus von Helminthocecidien repräsentirt. Das durch Anguillula erzeugte Cecidium der Blätter von Dryas besteht nämlich nicht
in einer knötchenähnlichen Verdickung, wie solche z. B. von Achillea erst kürzlich(durch C. Müller) Erwähnung fand, und wie sie ähnlichvom Edelweiss (durch Frauenfeld, ?. C. Braun) bekannt
ist; auch nicht in einem einseitig hervortretenden Höcker wie bei Festuca ovina und Agrostis canina (Magnus). Es trägt vielmehr in seiner äusseren Erscheinung ganz und
gar den Charakter eines Phytoptocecidiums, desjenigen der Blätter von Teucrium Chamaedrys. Wie dieses besteht es entweder in einer Ausstülpung der Blattspreite,
welche bei Dryas die Blattoberseite circa 1 mm überragt und bei ungefähr gleicher Breite an ihrer Basis keine Einschnürung zeigt, oder in einer Umschlagung bis
Umrollung des Blattrandes nach unten. Ausserdem pflegen sich diese Cecidien an beiden Pflanzen bald mehr, bald weniger durch gelblichgrüne oder rötliche Farbe und in
Folge der Hypertrophie durch etwas größere Dicke und Festigkeit, sowie durch vermehrte Behaarung auf der Blattoberseite kenntlich zu machen.
Bei solchen Merkmalen sollte man glauben, auch an Dryas eine Galle aus Lacaze-Duthier's Gruppe , Galles internes fausses" vor sich zu haben, nämlich nur eine Blattausstülpung,
deren Cavitaet dem Cecidozoon zur Wohnung dient. In der Tat leben aber die Tiere dieser Dryas- Cecidien im Innern des Gewebes und die von ihnen erzeugte Deformation
könnte als eine Combination einer wahren internen Galle mit der äusseren Gestalt einer falschen internen Galle bezeichnet werden. Das Blattgewebe ist verdickt, zuweilen
bis auf's Doppelte des normalen Maßes. Das der Unterseite anliegende Schwammparenchym ist durch Vergrösserung seiner Intercellularräume stark aufgelockert.
Dazu kommt noch, dass sich zuweilen die unterseitige Epidermis loslöst und dann einen grossen Hohlraum überspannt, der ebenfalls wie jene Zwischenräume den Anguillulen
zum Aufenthalt dient. Auf solchen Teilen der unterseitigen Epidermis unterbleibt die Bildung der Filzhaare in der Regel gänzlich, während sie sonst durch das Cecidium
nicht beeinträchtigt zu sein pflegt, ja selbst vermehrt erscheint. Freie Anguillulen beobachtete ich nur in wenigen Exemplaren, aber ausserdem sehr zahlreiche Eier von
länglich runder Gestalt 0,89 bis 0,104 mm an Länge und 0,047 mm Breite. In vielen derselben sah man die Bewegungen des Embryo, der die 2 bis 4fache Eilänge zu besitzen
schien und deshalb in einigen Windungen lag, die verwelkten vorjährigen Blätter zeigten die Cecidien noch ganz deutlich; doch enthielten diese kein lebens- fähiges
Cecidozoon mehr. Über Vorhandensein, Lage und Gestalt eines Galleneinganges habe ich leider keine Beobachtung notiert und bin nicht im Stande, an dem getrockneten
Material ein sicheres Urtheil zu gewinnen. Der Haarfilz der Blattunterseite erschwert die Untersuchung sehr. Doch habe ich kleine Lücken in der unterseitigen Epidermis
gesehen und halte es für möglich, dass dieselben die Eingänge gewesen sind.
Ciao Volker
- Julia
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Re: Unbekannte Galle an Silberwurz (tierisch)
Hallo Volker,
vielen Dank, also an Synchytrium glaube ich hier nicht.
Präferiere Helminthocecidien, zumal ich auf anderen Bildern in Vergrößerungen auch diesen typischen Pelz sehen kann, den Gallen ja oft haben.
Liebe Grüße Jule
vielen Dank, also an Synchytrium glaube ich hier nicht.
Präferiere Helminthocecidien, zumal ich auf anderen Bildern in Vergrößerungen auch diesen typischen Pelz sehen kann, den Gallen ja oft haben.
Liebe Grüße Jule
Re: Unbekannte Galle an Silberwurz (tierisch)
Hallo Julia und Volker,
sehr interessanter Fund, danke dafür Julia. Vielleicht kann ich den Befall auch mal finden, zumal es hier in den Bergen Dryas großflächig gibt. - Und danke auch an Volker für seine Infos zu den möglichen Parasiten.
Viele Grüße
Dieter
sehr interessanter Fund, danke dafür Julia. Vielleicht kann ich den Befall auch mal finden, zumal es hier in den Bergen Dryas großflächig gibt. - Und danke auch an Volker für seine Infos zu den möglichen Parasiten.
Viele Grüße
Dieter
Re: Unbekannte Galle an Silberwurz (tierisch)
Hallo zusammen,
auf der Suche nach dem im von Volker dankenswerterweise vorgestellten Literaturzitat erwähnten Nematoden bin ich auf Ditylenchus dryadis Anderson & Mulvey 1980 gestoßen. Ich vermute, dass das der aktuelle Name sein könnte. Ich habe ein Synonym für D. dryadis nicht gefunden, wohl aber Anguillula für andere Ditylenchus-Arten.
Viele Grüße
Dieter
auf der Suche nach dem im von Volker dankenswerterweise vorgestellten Literaturzitat erwähnten Nematoden bin ich auf Ditylenchus dryadis Anderson & Mulvey 1980 gestoßen. Ich vermute, dass das der aktuelle Name sein könnte. Ich habe ein Synonym für D. dryadis nicht gefunden, wohl aber Anguillula für andere Ditylenchus-Arten.
Viele Grüße
Dieter
- Volker
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Re: Unbekannte Galle an Silberwurz (tierisch)
Hallo Dieter
Danke für deine Recherche. Ditylenchus dryadis Anderson & Mulvey sollte der aktuelle Name sein. Hier noch die Systematik dieser Nematodengattung: Diplogasteria-Tylenchida-Tylenchina-Tylenchoidea-Anguinidae-Ditylenchus.
Vielen Dank für diesen Hinweis und Ciao Volker
Danke für deine Recherche. Ditylenchus dryadis Anderson & Mulvey sollte der aktuelle Name sein. Hier noch die Systematik dieser Nematodengattung: Diplogasteria-Tylenchida-Tylenchina-Tylenchoidea-Anguinidae-Ditylenchus.
Vielen Dank für diesen Hinweis und Ciao Volker